Radiotexte

Beaumarchais oder: Figaros Rache


Christoph Schmitz-Scholemann

 

E = männliche Stimme
B = weiche, musikalische männliche Stimme, Beaumarchais
A = hörbar ältere männliche Stimme
G = geübter, aber nichtprofessioneller, männlicher Sprecher
M = recht junge, mädchenhafte weibliche Stimme
F = weibliche Stimme
K = Kinderstimme (6 jähriger Knabe)
C = männlicher native french speaker, der, soweit er deutsche Texte spricht, einen gut hörbaren, aber nicht übertriebenen Akzent ha­ben sollte 

Musik: Beatles. All you need is love bis zum Ende der Marseillaise.

 

G:
Im großen Kalender der Befreiung des Menschen aus selbstverschul­de­ter Unmündigkeit ist der 27. April 1784 der heiterste Tag. Es ist der Tag, an dem die Komödie Figaros Hochzeit in Paris Premiere hatte. Autor des Stückes war der Uhrmachermeister und Frauenfreund, Waffen­händ­ler, Verleger, Harfenist, Spion und Literat Pierre Augustin Caron de Beaumarchais. Das Verdienst, den Barbier von Sevilla und Figaros Hoch­zeit geschrieben zu haben, verband er mit der Ehre, dafür ins Kittchen zu wandern – auch dafür. Denn es war nicht das erste und nicht das einzige Mal, daß Beaumarchais Krach mit der Justiz hatte. In den Streitereien des singenden Dienstleisters Figaro mit dem Grafen Almaviva zucken noch die Blitze nach, die sich über dem Haupt des Herrn von Beaumar­chais kräftig entluden. Und er zog diese Blitze auch an. Er suchte die öffentliche Debatten, manchmal zum eigenen Verderben, oft mit Lust auf die Revolte des Worts. Daß eine der großen Pariser Tageszeitungen Le Figaro (Betonung auf der letzten Silbe) heißt, hat also einen guten Grund. Nicht nur in seinen Theaterstücken, auch in seinem Leben hat er beherzigt, was Voltaire von der Literatur forderte: Jedes Genre ist erlaubt, nur nicht das langweilige.   

Filmton aus Beaumarchais l’insolent (etwa 10 Sekunden): Vor dem Gericht (bei Minute 26 des Videobandes; im französischen Drehbuch S. 47). Geräusch einer gespannt raunenden Menge, aus der einzelne Stimmen heraushörbar sind. Darüber die deutsche Übersetzung einiger Stimmen:

A:
Und ich sage dir, diesmal geht es Beaumarchais an den Kragen.

F:
Gar nichts wird ihm passieren, der Schutz des Königs schwebt über ihm.

A:
Ja, wie der Galgen über den Gehängten schwebt.

Filmton bricht ab.

F (ein bißchen aufgesetzt):
»Das wird viel zu interessant, um jetzt essen zu gehen.«

Musik: Hochzeit des Figaro, Ouvertüre, die ersten 3 Takte, dann bricht die Musik ab.

C:
»N’aimant pas le jeu du loto, j’ai fait des pièces de théatre. Mais on disait: de quoi se mêle-t-il? Pardieu, ce n’est pas un auteur, car il fait d’immenses affaires et des entreprises sans nombre.«

Etwa ab Mitte des französischen Textes setzt der deutsche Text ein:

B (ich stelle mir vor, daß nicht zu viel Tiefsinn in die Sprechweise gelegt wird. Es soll eher etwas Beiläufig-Rasches und Elegantes darin liegen):
»Für Lotto konnte ich mich nicht begeistern, also habe ich Theater­stücke geschrieben. Aber man sagte: Was mischt sich dieser Kerl da ein? Er ist doch gar kein Dichter, er ist ein Unternehmer und in tausend Affä­ren verwickelt …«

Musik: Ouvertüre Figaros Hochzeit (wie vorher die ersten 7 Takte), dann bricht die Musik ab.

G:
»Er war ein toller Christ … Prozesse waren sein Element, worin es ihm erst eigentlich wohl wurde. Es existieren noch Reden … aus einem seiner Prozesse, die zu dem Merkwürdigsten, Talentreichsten und Verwegen­sten gehören, was je in dieser Art verhandelt worden. Eben diesen berühm­ten Prozeß verlor Beaumarchais.«

F:
Goethe zu Eckermann

M:
»Beaumarchais, Pierre Augustin Caron de, geboren Paris 1732, gestor­ben ebenda 1799. … Das Wesentliche seines Lebens lag außerhalb der Literatur. Sohn des Pariser Uhrmachermeisters André Caron, … ver­suchte er sein Glück auf den verschiedensten Gebieten … Es sind zu aller­erst seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Existenz und seine Pro­zesse, die ihn zum Schreiben und zur Literatur brachten …«

C:
Larousse-Dictionnaire des Liitératures, Paris 1992

Gegen Ende des vorstehenden M-Textes setzt wieder die Figaro-Ouvertüre ein, so daß sie bei Beginn des folgenden F-Textes auf dem 12. Takt angekommen ist. Sie läuft dann weiter.

F:
Beaumarchais oder: Figaros Rache 

A:
»Das ist unglaublich! Das wird niemals auf die Bühne kommen. … Der Bursche macht sich über alles lustig, was im Staat der Achtung bedarf!«

M:
Der französische König Ludwig der XVI., als man ihm die Gerichts­szene aus Figaros Hochzeit vorgelesen hatte.

B (Selbstgespräch):
»… sehe ich aus dem Innern einer Kutsche die Zugbrücke einer Fe­stung … niedergehen und mit der Freiheit schwindet die Hoffnung … O wundersamer Lauf der Dinge! Warum ist das mir widerfahren? Wieso ausgerechnet das? Wer hat diese Blitze auf mein Haupt gelenkt? Wege meines Lebens – blind habe ich euch betreten, widerwillig werde ich euch verlassen – mit Blumen bestreue ich euch, so viel, wie meine Fröhlichkeit erlaubt.«

Musik läuft weiter

C:
Prozesse. Erste Abteilung. Ein kurzer Erziehungsprozeß und ein Ver­trag fürs Leben.

E:
Im Paris des 18. Jahrhunderts war eine Menge Fröhlichkeit erlaubt. Man mußte sich ablenken: Der Staatsbankrott als Prinzip der Finanz­politik, eine zugleich theatralische und verkommene Justiz, Kriegserklä­rungen und Friedensschlüsse nach Mätressenlaunen. Bei Hofe wurde Komödie gespielt, um der Langeweile zu entfliehen. Das Volk spielte seine eigenen Stücke. Das »Theâtre de la foire« blühte, das Markttheater, eine äußerst derbe und meist obszöne Mischung aus Kabarett und Musi­cal. Der junge Herr Beaumarchais hieß damals noch Monsieur Caron fils (das S am Ende wurde damals nicht gesprochen, deshalb: gesprochen Caronfi), also Caron-Sohn, oder einfach: Ficaron – was schon ziemlich nach dem Na­men seiner späteren Theaterfigur Figaro klingt – Ficaron also, der in die­sen Jahren eigentlich in der Uhrmacher-Werkstatt seines Vaters sitzen sollte, verbrachte seine freien Stunden bei den Theaterleuten. Er spielte und sang und trieb sich herum. (Die Musik, die inzwischen lauter und fast ein wenig aufdringlich geworden ist, bricht ab). Irgendwann hatte der Vater das Theater satt. Er warf seinen Sohn aus dem Haus. Ficaron bat um Gnade und erhielt von seinem Vater diesen Brief:

A:
»Erwäge … wohl die Bedingungen, welche ich für deine Heimkehr auf­stelle. Ich verlange volle, unbedingte Unterwerfung unter meinen Wil­len. …

  1. … Du wirst nichts, nicht einmal einen alten Uhrschlüssel ohne meine ausdrückliche Zustimmung verkaufen.
  2. Du wirst im Sommer um 6, im Winter um 7 Uhr aufstehen und bis zum Abendessen ohne Widerstreben … fertig bringen, was ich Dir auf­trage. … Bedenke wohl, daß Du keine Achtung verdienst, wenn Du nicht der erste in Deinem Handwerk wirst. …
  3. Du wirst nicht mehr außer Haus zu Nacht essen und ebensowenig abends ausgehen. …
  4. Du wirst Deine unselige Musik … aufgeben … Sie hat … Dich ins Ver­derben gestürzt …
  5. … erinnere Dich wohl, daß ich keine faulen Ausreden für Verspä-tun­gen gelten lassen werde …

Wenn Dir diese Bedingungen zusagen, und wenn Du Dir die Kraft zu­traust, sie redlich zu erfüllen, dann nimm sie an und unterfertige Dich auf diesem Brief, den Du mir zurücksenden sollst …«

B (der folgende Text soll über dem Schlußabsatz des Vaterbriefes beginnen und recht schnell gesprochen werden):
»Hochgeehrter Herr Vater!
Ich unterfertige alle Ihre Bedingungen in dem festen Willen, sie mit Got­tes Beistand zu erfüllen. Es ist gerecht, daß ich eine Demüthigung erdulde, die ich in Wahrheit verdient habe, und ich wäre überglücklich, wenn sie mir im Verein mit meiner sonstigen guten Aufführung die Wieder­kehr Ihrer Freundschaft verschaffen könnte. Zur Bekräftigung unterschreibe ich Ihren Brief seinem vollen Wortlaute nach.
Augustin Caron fils«

C:
Prozesse. Zweite Abteilung. Wie der König der Uhrmacher zum Uhr­macher des Königs wurde

M:
»Die Hemmung ist ein wesentlicher Teil der Uhren; allgemein gespro­chen handelt es sich um den Mechanismus, vermittels welchen das Uhr­werk die Bewegung des letzten Rädchens empfängt und seinen Lauf verzö­gert …, mit dem Zweck, den Gang der Uhr zu mäßigen und zu re­geln. …«

C:
Diderot & D’Alembert, Enzyklopädie, 1751–1765, Artikel ›échap­pement‹

M:
Leserbrief des Uhrmachers Pierre Augustin Caron an die Monats­schrift Courrier de France:

B:
»Paris, 13. November 1753

Mit äußerstem Erstaunen habe ich in Ihrer Ausgabe von September 1753 gelesen, daß Herr Lepaute, Uhrmacher im Luxembourg, eine neue Hemmung und ein Pendel als seine neue Erfindung anpreist, von denen er behauptet, die Ehre zu haben sie dem König und der Akademie vorzu­stellen.

Im Interesse der Wahrheit und meines persönlichen Ansehens … kann ich … über diese Hinterhältigkeit unmöglich den Mantel des Schweigens breiten … Und die Wahrheit ist, daß ich am 23. Juli dieses Jahres, im Überschwang der Freude über meine gerade gemachte Erfindung, die Schwäche hatte, diese Hemmung Herrn Lepaute anzuvertrauen …

Caron fils, horloger, rue Saint-Denis.«

F:
Antwort des Uhrmachers Lepaute:

A:
Man weiß wenig über den jungen Herrn Caron, der sich, kaum dem Lehrlingsstande entronnen, erkühnt, mich des Betruges anzuklagen, was eine eigenwillige Art ist, sich für die Großzügigkeit zu bedanken, mit der ich ihn an meinen Ideen teilhaben ließ. Vielleicht genügt der Hinweis, daß sein Vater von Gott weiß woher kam und sich erst einmal taufen lassen mußte, um in die Pariser Uhrmacherzunft aufgenommen zu wer­den. Ich für mein Teil verabscheue Eigenlob. Deshalb habe ich das unver­dächtige Zeugnis dreier namhafter Jesuiten beigefügt. …

F:
Urteil. Aus den Registern der Königlichen Akademie der Wissenschaf­ten.

M:
»Die Herren Camus und Montigny, die zu Richtern ernannt worden sind in der Streitsache zwischen den Herren Caron und Lepaute betref­fend eine Uhrenhemmung, deren Erfinder beide Herren zu sein behaup­ten: … Nachdem die Richter die Sache untersucht haben, hat die Akade­mie am 16. Februar 1754 beschlossen:
Daß Herr Caron als wahrer Erfinder der neuen Uhrenhemmung anzu­sehen ist, und daß Herr Lepaute diese Erfindung nur nachgeahmt hat. … und daß diese Hemmung bei den Uhren die am besten funktionie­rende ist, die man jemals angewandt hat. …
Paris, 4. März 1754
Gezeichnet
Grand-Jean de Fuchy
Ständiger Sekretär der Königlichen Akademie der Wissenschaften.«

F:
Leserbrief des Uhrmachers Caron junior vom Juni 1755:

B:
»Ich habe inzwischen Uhren gemacht, die so flach sind, daß man sie kaum als solche erkennt, flacher, als sie je hergestellt wurden, und zwar ohne jede Einbuße an Qualität. Die erste dieser … Uhren bekam der Kö­nig. … eine weitere Madame Pompadour …
Caron Fils, horloger du roi« 

M:
Zwischenstück. Zeittafel 1

(Musik: Georges Brassens: Les Trompettes de la Renomée. Gisbert Haefs übersetzt den Titel des Chansons mit »Trompeten des jüngsten Gerüchts« (nicht ganz jugendfrei). Es beginnt mit einem etwa 6 Sekunden langen Gitarren-Vorspiel, das schon am Ende des vorigen Textes »Caron fils …« beginnen soll; danach läuft die Musik bis zum ersten Refrain durch und bricht dann ab. Der Refrain soll dann an zwei Stellen wiederholt werden, wie im folgenden angegeben.)

B:
Alles was in den Jahren seit 1755 geschah, hat man in dem unglückseli­gen Prozeß gegen mich verwandt. Den Richtern ging es gar nicht um meine Zahlungsklage, es ging ihnen um mich und meine Art zu leben. Sie wollten einen Menschen zerstören, der nicht zu ihnen gehörte. Ihre Argumente waren so fein und verdreht wie das Lächeln in ihren Mundwinkeln. Ihre Waffe war die Verleumdung.

F:
Anfang 1755

E:
Der Uhrmacher des Königs, Herr Pierre Augustin Caron, damals noch nicht de Beaumarchais, lernt Madelaine-Catherine von Francquet kennen, Frau des Oberaufsehers der Hofküchenschreiber im Schloß von Versailles. Frau Francquet lernt ihren hübschen und sehr süßen Uhrma­cher lieben, welches Schicksal sie mit einer Reihe von Geschlechtsgenos­sinnen zu teilen hat.

F:
»Meine Ehepflicht verbietet mir, an einen anderen zu denken – am wenig­sten aber darf ich an Sie denken.«

B:
»… wenn ich daran denke, daß er Ihr Gatte ist und zu Ihnen gehört, kann ich nur noch still seufzen und warten, bis eine höhere Macht es so fügt, daß ich Sie glücklich machen darf, denn dazu sind Sie geschaf­fen …«

M:
Mitte 1755

E:
Herr von Francquet verkauft sein Hofamt an den Uhrmacher seiner Frau gegen ein Leibrentenversprechen.

F:
9. November 1755

E:
Der königliche Uhrmacher Caron wird durch königliches Dekret zum königlichen Oberaufseher der königlichen Hofküchenschreiber ernannt, was kein sehr bedeutendes, aber eben doch ein königliches Amt ist, das entschieden über dem des königlichen Hundefütterers steht.

F:
2. Januar 1756

E:
Herr von Francquet stirbt plötzlich und wohl auch unerwartet. Seine Frau ist untröstlich und nimmt die Erbschaft an. Dazu gehört ein Lehens­gut in der Nähe von Paris, ein Grenzgehölz oder Moorgehölz, franzö­sisch: Le bois marchais, was sich schon fast wie Beaumarchais anhört.

M:
27. November 1756

E:
Caron heiratet Francquets reiche Witwe in der Kirche Saint Nicolas des Champs. Die Ehe ist unglücklich.

F:
»Undankbarer! Du wirst die Ursache meines Todes werden … Ohne Dich hätte ich niemals dies unglückselige Ja gesprochen, das mein Herz durchbohrt hat.«

M:
30. September 1757

E:
Frau Caron stirbt plötzlich. Bei den Erbauseinandersetzungen mit der Familie geht der junge Witwer leer aus, unterschreibt aber im Oktober 1757 erstmals mit dem Zusatz: de Beaumarchais.

Refrain »Les trompettes de la Renommée«

M:
Um 1759 

E:
Beaumarchais tummelt sich bei Hofe, unter Schauspielern und Spekulan­ten. Er unterhält die Töchter des Königs mit seinem Harfen­spiel, erfindet ein besonderes Pedal für sie, schreibt inständige Briefe an anständige Damen und sehr unanständige Theaterstücke für private Zir­kel. Sein Ruf ist prekär. Er lernt den Waffenhändler Pâris-Duverney ken­nen, einen der reichsten Männer Frankreichs.

B:
»… Herr Duverney war verzweifelt, weil er seit zwölf Jahren vergeb­lich versucht hatte, die königliche Familie dazu zu bewegen, die von ihm gegründete école militaire zu besuchen. Er wollte mich kennenlernen und bot mir seine Freundschaft, seine Unterstützung und Kredit an, falls ich es schaffen würde …«

M:
18. August 1760

E:
Der König besucht in Begleitung seines Hofküchenschreibers Beaumar­chais die école militaire.

F:
9. Dezember 1761

E:
Beaumarchais leiht sich von seinem reichen Freund 70.000 Livres – ein Livre hatte ungefähr den Wert von einem Euro – und kauft einen Adelsbrief mit gelbem Wachssiegel, natürlich gegen Quittung.

F:
1762

E:
Bewerbung um das Amt eines königlichen Großforstmeisters. Die Ant­wort des Ministers lautet:

C (recht blasiert):
»Der Bruder und die Töchter des Königs haben sich dieses Postens we­gen für Sie verwendet; der König hat keinen Einspruch erhoben. Sie haben die Stelle bezahlt. Nun denn: Sie werden sie nicht haben … Die Großforstmeister sind durchaus nicht einverstanden … Ihr Vater war Handwerker … und wie berühmt man auch immer in dieser Kunstfertig­keit ist, so ist dieser Stand doch mit den Ehren, die zur Großforstmeister­würde gehören, unverträglich …«

M:
1763 

E:
Mit erneuter Unterstützung seines Gönners Pâris-Duverney kauft Beaumarchais den Posten des General-Leutnants der Jagdaufsicht in der Louvre-Haide. Damit ist das Amt eines Jagdrichters verbunden.

M:
1764

E:
Beaumarchais in Madrid, offiziell um die Ehre seiner dort lebenden Schwester Lisette wiederherzustellen, die durch den Wortbruch des ehe­scheuen Intellektuellen Don Joseph Clavijo y Faxardo – zu deutsch: Cla­vigo – gefährdet war. Hauptsächlich aber versucht Beaumarchais, mit Hilfe der spanischen Regierung und zum Nachteil Englands in den Amerika­handel einsteigen, Sklavenhandel inbegriffen. Louisiana und das schwarze Gold vor Augen studiert der selbsternannte Geheimdiplomat die Hofintrigen, spielt Karten mit dem russischen Geschäftsträger, Theater mit dem englischen Botschafter, bringt erste Skizzen zum Barbier von Sevilla zu Papier und nimmt intime Beziehungen zu einer gewissen Mar­quise de la Croix auf. Sie soll den spanischen König verführen und aushor­chen. In einem Memorandum an den französischen Außenmini­ster gibt Beaumarchais neben zauberhaften Schilderungen der spanischen Le­bensart seine diplomatische Devise bekannt: »Alles versprechen und nichts halten«. Die Antwort des französischen Außenministers ist eindeu­tig:

C (ein wenig blasiert):
»Unbedingte Ausschließung dieses Individuums von jeder … Mission.«

Refrain wie oben.

F:
1765 

E:
Da der spanische König sich infolge seiner allerkatholischsten Gewissens­bisse die zu Spionagezwecken unentbehrlichen Momente der Entspan­nung mit der Marquise versagt, kehrt Beaumarchais im wesent­lichen unverrichteter Dinge nach Paris zurück, allerdings, wie immer, jede Menge gute Laune im Gepäck. In Paris gedeihen die Geschäfte, hier sprießen die Amouren, im Familienkreis mit Vater Caron und Schwester Julie wird à l’Espagnole gesungen und getanzt.

A (etwas blasiert):
»Dieses äußerst unverschämte Individuum ist stets wohlgelaunt und gren­zenlos unbeliebt, wenn es auch den Anschein hat, als ob man ihm nichts vorwerfen könnte …« 

Musik: Rossini, Der Barbier von Sevilla, Sinfonia (Ouvertüre), laut beginnend, man darf sich etwas erschrecken, dann in den Hintergrund und nur gelegentlich hervor tretend, etwa 6:30).

M:
29. Januar 1767

E:
Beaumarchais’ erstes abendfüllendes Theaterstück Eugénie wird aufge­führt, ein bürgerliches Rührstück um eine bedrängte junge Frau.

A:
»Herr von Beaumarchais hat uns … zweifellos bewiesen, daß er weder Genie, noch Geist noch Talent besitzt.«

M:
1768

E:
Beaumarchais heiratet zum zweiten Mal. Seine Frau wird bei der Ge­burt des zweiten Kindes Ende 1770 sterben. Auch die beiden Kinder leben nicht lange.

M:
13. Januar 1770

E:
Beaumarchais’ zweites abendfüllendes Theaterstück Die zwei Freunde oder Der Kaufmann von Lyon wird aufgeführt.

C (blasiert):
Herr von Beaumarchais sollte lieber gute Uhren machen als schlechte Stücke. Hier kursiert bereits ein Spottvers:

Das Stück von Beaumarchais ist dumm
Und ging gehörig in die Binsen.
Beim Kaufmann ging viel Geld herum
Nur für das Publikum gabs keine Zinsen.

B:
»Als ich … sah, daß die Republik der Dichter die der Wölfe ist, die stän­dig einander belauern, und daß alle Insekten, die Mücken, Bremsen, Kritiker, Neider, Journalisten, Buchhändler, Zensoren, kurz alles, was sich an die Haut der unglücklichen Literaten klebt, noch ihr letztes biß­chen Substanz vernichtet und aussaugt, und da ich das Schreiben satt hatte …«

M:
Anfang 1770. Der große Prozeß beginnt

E:
Beaumarchais’ Geschäftspartner, der greise Pâris-Duverney erkrankt. Auf edlen Bögen à la Telliére wird eine Schlußrechung erstellt und von den beiden Freunden unterschrieben. Beaumarchais soll noch 15.000 Livres bekommen. Bevor das Geld fließt, stirbt Pâris-Duverney.

B:
»Sein Universalerbe, der Conte de la Blâche, zahlte nicht. Ich klagte. Er erhob den Vorwurf der Urkundenfälschung gegen mich. Ich gewann zwei Mal. Er legte Revision beim Parlement de Paris ein, dem Obersten Gerichtshof … Er bearbeitete die Richter, er bezahlte Anwälte, er anticham­brierte. Und ich?«

E:
Beaumarchais’ Möglichkeiten, seine Richter in der damals üblichen Weise zu bearbeiten, erlitten in der entscheidenden Phase eine bedenkliche Hemmung. Er hatte plötzlich den Wohnsitz wechseln müssen, wie er seinem Freund meldet.

B:
»Paris, den 26. Februar 1773
Mein lieber Gudin,
Ich schreibe Ihnen erstmals aus einem luftigen, mit festen Jalousien verse­henen, wohlversperrten, sparsam eingerichteten, gegen Diebe jedoch vortrefflich gesicherten Gelass, das sich in dem mitten in Paris am Seine­ufer anmutig gelegenen Forum Episcopi befindet.«

M:
Forum Episcopi, deutsch: Bischofsgericht oder Bischofsmarkt, gemeint ist das Gefängnis »Fort l’Evèque«

B:
»Kraft eines unversiegelten Briefes, der deshalb folgerichtig den Na­men Siegelbrief trägt, der vom König ausgefertigt … und mir zur Erlei­dung aufgetragen wurde, bin ich seit heute morgen … in einem ungeheiz­ten Zimmer gegen eine Miete von 2160 Livres mit der tröstlichen Versiche­rung einquartiert, daß mir mit Ausnahme des Notwendigen nichts abgehen soll … Warum? Ich weiß es nicht. Doch es ist um den Namen des Königs eine so schöne Sache, daß man ihn nicht oft genug vervielfältigen und zweckmäßig anbringen kann … Der erste Trost in allen Leiden ist, sich der Notwendigkeit zu beugen.«

C:
Prozeß im Prozeß: Der rasende Herzog oder: Bonsoir, Herr Kommis­sar

E:
Statt sich intensiv seinem Zahlungsprozeß widmen zu können, insbeson­dere dem federführenden und mit einem leichten Sprachfehler ausgestatteten Gerichtsrat Goezman (sprich Gösman, weiches s, n nasal), saß Beaumarchais im Gefängnis. Das hatte er seinen, wie er es nannte, spermati­schen Neigungen zu verdanken. Eine seiner Schönen war zu­gleich die Mätresse eines gewissen Herzogs. Die Eifersucht dieses Pair de France hatte Beaumarchais unterschätzt.

F:
Aussage des Herrn Beaumarchais gegenüber der Pariser Polizei über die Ereignisse vom 11. Februar 1773.

B:
»Ich hatte die Sitzung des Jagdgerichts gerade eröffnet, als ich den Her­zog, höchst verstört, eintreten sah … Ich hebe die Sitzung für ein paar Minuten auf, um mit ihm in ein Nebenzimmer zu gehen. Hier eröff­net er mir …, daß er mich auf der Stelle töten, mein Herz zerfleischen und mein Blut, nach dem ihn dürste, trinken wolle. ›Sonst nichts, Herr Herzog? Dann mit Verlaub, zuerst das Geschäft und hernach das Vergnü­gen.‹ Damit kehre ich ruhig in den Gerichtssaal zurück …«

E:
Nach Schluß der Verhandlung, so ermittelte der zuständige Kommis­sar Chênu (sprich: Scheenüü), folgte der Herzog Beaumarchais nach Hause, in der erklärten Absicht, ihn zu erdolchen.

B:
›Das Vergnügen sei Ihnen unbenommen … Aber zuvor will ich Ihnen ein Diner geben lassen.‹ … Als wir die Stufen zu meinem Zimmer hochgegan­gen sind, … drückt er mir … fünf Fingernägel dicht unter den Augen ein und zerkratzt mir das Gesicht, das sofort von Blut überströmt. … Er fährt mir in die Haare und reißt mir die … Stirn auf … ich versetze ihm mit voller Wucht einen gewaltigen Faustschlag. ›Nichtswürdiger!‹sagt er zu mir ›Du schlägst einen Pair von Frankreich und Herzog?‹ … Da ich mich anschicke, wieder hinabzusteigen, … tritt er in mein Speisezimmer ein, nimmt ganz allein und seelenruhig am Tisch Platz, ißt eine große Schüssel voll Suppe und ein paar Koteletts und trinkt zwei Flaschen Was­ser aus. Dann hört er klopfen, läuft an die Tür und sieht den von Nach­barn herbeigerufenen Kommissar Chênu … Der Herzog erklärt ihm, er müsse sich mit mir um 4 Uhr nachmittags schlagen … Nach dieser Bemer­kung stürzt sich mein Wahnwitziger … erneut auf mich … Man drängt ihn in mein Schlafzimmer. Dort findet ihn kurze Zeit später der Kommissar … damit beschäftigt, sich selbst zu ohrfeigen und das Haar gleich büschelweise auszuraufen, aus Wut darüber, daß er mich nicht umbringen konnte.«

(Die Musik – Rossini, Barbier von Sevilla, Sinfonia – wird noch einmal laut und bricht dann ab).

F:
Die Entscheidung

E:
Zwei Wochen später ist Beaumarchais, wir hörten es, im Gefängnis. Un­terdessen hat sein Prozeßgegner ganze Arbeit geleistet. Am 6. April 1773 ergeht das Urteil im Zahlungsprozeß Beaumarchais gegen La Blâche. Beaumarchais’ Klage wird abgewiesen. Schlimmer noch: Sein gesamtes Vermögen kommt unter die Verwaltung eines Gerichtsvoll­ziehers. Sein Haus wird geräumt, die Familie muß zu Freunden ziehen.

A (in ruhig etwas übertrieben schnarrendem Juristenton, und mit einem ganz leich­ten, aber hörbaren Sprachfehler):

»De iure, das Parlament hat entschieden, wie es entschieden hat, nicht eigentlich deshalb, weil … Pâris-Duverney durch Arglist, Irrtum oder Überraschung im Rechtssinne zur Unterschrift gebracht worden wäre und deshalb das besagte Dokument für null und nichtig zu erklären wäre, sondern, weil das Gericht sich davon überzeugt hat, daß, de facto und de jure, gar kein Dokument existiert, weil Pâris-Duverney gar nichts unterschrie­ben hat, denn wenn er auch unterschrieben hat und es ein Dokument zu geben scheint, so ist doch das, was über der Unterschrift steht, von Beaumarchais geschrieben, wie Beaumarchais sogar selbst zu­gibt …«

F:
Aus der mündlichen Urteilsbegründung durch den Gerichtsrat Goezman.

B:
»Öffentlich beschimpft, der Freiheit beraubt, um 300.000 Livres är­mer, eingesperrt, verleumdet, ruiniert … so waren der Schmerz und das Elend mein einziger Halt. In zwei Monaten war aus einem Privatmann, der das angenehmste Leben führte, das man sich wünschen kann, ein Abschaum geworden …«

E:
Es kommt noch schlimmer. In Paris machten Gerüchte die Runde, der Richter Goezman sei bestochen worden. Goezman dreht den Spieß um und beschuldigt Beaumarchais der Verleumdung und des Beste-chungsver­suchs. Darauf steht die Galeerenstrafe. Und der Prozeß findet vor dem Gericht statt, dem Goezmann angehört.

B:
»… Meine Freunde schwiegen, meine Schwestern weinten, mein Vater betete. Ich … gehe in dem spärlichen Raum, der mir geblieben ist, auf und ab, sammle meine Kräfte und bereite mich auf das nächste Unglück vor … Denn ich weiß, daß mir auf der Welt nichts gehört außer dem Gedan­ken, den ich forme und dem Augenblick, in dem ich ihn denke.«

E:
In dieser ausweglosen Lage wendet sich Beaumarchais an eine Institu­tion, die damals gerade erst entstand und die heute mächtiger ist als jede Regierung: die Öffentlichkeit. Er schreibt insgesamt vier Streitschriften, sogenannte Mémoirs, in denen er seinen Fall ausführlich darlegt und den Gang des Verfahrens fortlaufend dokumentiert.

(Unter den letzten Sätzen liegt der Ton aus Beaumarchais l’insolent – Be­ginn der Gerichtsszene – und wird langsam lauter – der folgende Text ist die Übersetzung und soll über den Filmton gesprochen werden. Damit genug vom Original hörbar bleibt, soll der deutsche Text um die in Klam­mern gesetzten Teile gekürzt gesprochen werden. Der folgende – von mir übersetzte – deutsche Text enstpricht dem französischen Text ab Seite 50, Zeile 7 des Drehbuchs »ou bien un amuseur publique …«)

A (hier als Goezman, also wiederum in dem schnarrenden Ton und mit leichtem Sprach­fehler):
… oder sollen wir diesem öffentlichen Spaßvogel glauben, diesem Schau­spieler, dessen Name bereits eine Lüge ist und der sein Vermögen dem Umstand verdankt, daß durch die Vorsorge eines auffallend günsti­gen Geschicks seine beiden Ehefrauen im passenden Augenblick star­ben? …

Meine Herren! (Ich erkläre mit allem Ernst und in aller Feierlichkeit, die die Strenge dieses Ortes gebieten:) Dieser Mann ist ein Fälscher – ein Fälscher und ein Hochstapler, (von dem sich unsere Gesellschaft reinigen muß!)

Haben Sie etwas hinzuzufügen?

B:
Aber selbstverständlich (habe ich etwas hinzuzufügen).

A:
(Ach so … so … gut) Und was? 

B:
Alles …

Alles, was nichts mit dieser Urkunde zu tun hat, (die Sie in Ihren Hän­den halten und) von der (der Graf de la Blache und) Sie (selbst) entschie­den haben, daß es sich um eine Fälschung handelt … Wie soll ich meine Ehrlichkeit beweisen? Ich habe nichts als mein Wort, und wir alle wissen, wie wenig das zählt für die hervorragenden Mitglieder dieses (von mir zutiefst verabscheuten) Gerichtshofes, dessen bester Repräsentant Sie sind, (Herr Gerichtsrat).

A:
(Aha, ach so.) Meinen Sie mich persönlich?

B:
Ganz recht. Sie persönlich meine ich … und die Institution, die Sie reprä­sentieren und die sich weniger um die Wahrheit kümmert als um die Bewahrung ihrer Privilegien. (Wahrhaftig, Herr Gerichtsrat,) wir haben genug davon, jeden Morgen einen neuen Skandal enthüllt zu finden, der schon am Abend wieder in Vergessenheit fällt, weil er für den des näch­sten Tages Platz machen muß. Wir haben genug von all den dümmlichen und kindischen Ministern, die unsereinem Vorschriften machen, aber sich selbst nicht benehmen können. Wir haben genug (von Siegelbriefen und wir haben genug) davon, uns im Gefängnis wiederzufinden, ohne zu wissen warum. (Ich sage Ihnen, meine Herren,) Frankreich ist der Ungerech­tigkeit, des Betruges und der Hochstapelei müde!

A:
Lassen Sie Frankreich in Ruhe!

B:
Genau das ist es, was Frankreich nicht mehr will: Ruhigbleiben. Hö­ren Sie Frankreichs Murren … (und nehmen Sie sich in Acht!)

A:
(Monsieur,) ich verbiete (Ihnen) …

B:
Und ich greife Sie an – und da ich nicht dem (ehrenwerten) Anwalts­stande angehöre, werde ich nur ein einziges Mittel einsetzen: Die Wahr­heit!
(Sie ist schon nahe, meine Freunde, sie kommt gleich zum Vorschein.) Und wenn sie sich einmal losgemacht hat, dann wird es sehr (schwer sein und) sehr gefährlich, (sie wieder einzufangen).

A:
(Monsieur!) Sie sind hier nicht im Theater!

B:
Leider Gottes! Denn bei den Schauspielern findet sich eine Aufrichtig­keit, die hier leider selten geworden ist.

A:
In der Tat, Monsieur Caron.

B:
de Beaumarchais, bitte! Hier ist mein Adelsbrief! Ich habe sogar noch die Quittung!

(Filmton bricht ab. Drehbuch Seite 53, Zeile 9 »… m’apartienne«)

E:
Ganz Europa las die mémoires, in denen Beaumarchais den Verleumdun­gen über seinen angeblich unredlichen Charakter mit einer Schilderung seines Lebens entgegentrat, die – wie in einem Bilderbogen und immer theaterreif – einen ganz anderen Beaumarchais zeigt: Opfer der Verleumdung, Freund der Aufklärung und der amerikanischen Unabhän­gigkeit, Beschützer seiner Familie und aller mißhandelten Frauen. Die Zusammenstöße mit den Richtern verarbeitete er zu bühnenrei­fen Szenen. Ganz Europa erfuhr, auf wie lächerliche Weise der Oberste Gerichtshof Frankreichs bestochen werden konnte.

(Filmton setzt wieder ein an der Stelle, an der Beaumarchais Madame Lejay be­fragt, im Drehbuch Seite 59, Zeile 8 – »Beaumarchais: Vous présente, Madame Goezman a-t-elle bien …«, die zweite Frage von Beaumarchais und die Antwort – Seite 59 unten, Seite 60 oben – sind im folgenden Text weggelassen, weil sie nicht in den Kontext passen und hier auch nichts zur Sache tun.)

B:
Hat Madame Goezman in Ihrer Anwesenheit 100 Louisdors und eine diamantenbesetzte Uhr in Empfang genommen, um mir eine Audienz bei ih­rem Mann zu verschaffen?

M:
Ja.

B:
Schließlich und endlich – und nun werden Sie alles verstehen, meine Herren – hat Mme Goezman gesagt, (vor mehreren Zeugen in Bezug auf ih­ren Mann, den Gerichtsrat): »Mit dem bißchen Gehalt, das uns der König zahlt, können wir unmöglich ein standesgemäßes Leben führen?«

M:
Ja, (Monsieur, das hat sie gesagt.)

B:
Und was hat sie hinzugefügt?

M:
»Wir beherrschen die Kunst, das Huhn zu rupfen, ohne daß es schreit.«

B:
»Das Huhn, meine Herren, das Huhn bin ich!«

(Filmton endet mit der begeisterten Atmosphäre im Publikum. Drehbuch Seite 60 un­ten: Explosions de rire …)

F:
Schaffensprozesse: Über die blitzartige Entstehung von Kunstwerken aus dem Geist der Gesetze und den Gesetzen der Liebe 

E:
Den Kampf um die öffentliche Meinung hatte Beaumarchais gewon­nen. Das intellektuelle Europa lag ihm zu Füßen. Goethe, damals ein junger Star am Frankfurter Pflasterstrand, verschlang die mémoires, insbeson­dere das Vierte, in dem Beaumarchais seine Spanienreise und die Affäre um Clavigo, den Verführer seiner Schwester, schildert.

G:
»Weil nun bei jeder unserer geselligen Zusammenkünfte etwas Neues vorgelesen werden mußte, so brachte ich eines Abends … das Memoire des Beaumarchais … mit … und nachdem man viel darüber hin und wie­der gesprochen hatte, sagte mein lieber Partner: Wenn ich Deine Gebiete­rin und nicht Deine Frau wäre, so würde ich Dich ersuchen, die­ses Memoire in ein Schauspiel zu verwandeln, es scheint mir ganz dazu geeignet zu sein. – Damit Du siehst, meine Liebe, antwortete ich, daß Gebieterin und Frau auch in einer Person vereinigt sein können, so verspre­che ich, heute über acht Tage den Gegenstand dieses Heftes als Theaterstück vorzulesen … Man verwunderte sich über ein so kühnes Versprechen, und ich säumte nicht, es zu erfüllen … Berechtigt durch unsern Altvater Shakespeare nahm ich nicht einen Augenblick Anstand die Hauptszene und die eigentlich theatralische Darstellung wörtlich zu übersetzen …«

F:
Johann Wolfgang von Goethe, Dichtung und Wahrheit, Dritter Teil

E:
Das endlos verflochtene Band aus Leben und Kunst: So ist also der Cla­vigo, eines der Hauptstücke des deutschen Sturm und Drang, in wei­ten Teilen die wörtliche Übersetzung einer französischen Prozeßschrift.

F:
Noch eine Entscheidung 

E:
Die französische Justiz war dagegen durchaus unbeeindruckt von Beaumarchais’ Redegewalt.

F:
Auszug aus dem Urteil des Parlement de Paris vom 26. Februar 1774:

C:
»Die Vereinigte Kammer des Gerichtshofes … verurteilt Pierre Augu­stin Caron de Beaumarchais,
auf Befehl vor der Kammer niederzuknien und die Aberkennung der Ehrenrechte entgegenzunehmen,
ferner eine Geldbuße in Höhe von drei Livres aus eigenen Mitteln an den König zu zahlen
Außerdem ordnet die Kammer … an, daß die vier … im Zusammen­hang mit dem vorliegenden Prozeß von dem genannten Beaumarchais
veröffentlichten Denkschriften … durch den Exekutor des Hoch-gerich­tes öffentlich zerrissen und verbrannt werden auf der Großen Treppe des Justizpalastes, weil sie Ausdrücke und Anschuldigungen so­wohl des Gerichts insgesamt als auch eines einzelnen Mitgliedes desselben enthalten, welche vermessen, skandalös und beleidigend sind, ferner auch Verleumdungen mehrerer Privatpersonen.«

G:
»Du nennst mich Herr Baron, so ist die Sache gut!«

E:
Wenige Tage nach dem Urteil gibt es einen ersten Lichtblick. Der Kö­nig bittet zur Audienz. Beaumarchais soll für einige Zeit von der Bildflä­che verschwinden und, als Baron de Ronac, den französischen Emigran­ten in London die Lust am Verfassen von Abhandlungen über Ludwigs Triebleben verderben. Wie Beaumarchais nun in der Londoner Emigranten­szene wühlt, in deren Mittelpunkt eine transsexuelle Doppel­agentin aus dem Hochadel steht, wie er mit amerikanischen Freiheitskämp­fern, zwielichtigen Lords und falschen Waffenschiebern verhandelt, durch Salons und Hafenspelunken jagt und gejagt wird – Kerkeraufenthalte inbegriffen – das ist ein Roman für sich. Kurz und gut: Er erledigt den Auftrag, kehrt frohgemut nach Frankreich zurück und an dem Morgen, an dem er in Versailles seinen Lohn empfangen will – ist der König seit zwei Stunden tot. Doch Beaumarchais läßt sich etwas einfal­len. Er behauptet gegenüber dem neuen König, Ludwig dem XVI., auch über ihn würden Broschüren verbreitet. Sie enthielten die übelsten Verleumdungen – nicht des Königs, aber seiner Zeugungsorgane. Wieder wird Beaumarchais zum Baron de Ronac ernannt, wieder gibt es einen wilden Roman, mit Verfolgungsjagden von England bis Österreich, einer Messerstecherei bei Ulm und einem Arrest am kaiserlichen Hof zu Wien. Ludwig der XVI. wird sich bald erkenntlich zeigen für die Einsatzbereit­schaft seines Untertans. In einem Patentbrief vom 12. August 1776 schreibt er:

A:
»Angesichts des Umstandes, daß unser Freund Pierre Augustin Caron de Beaumarchais uns in unserem Auftrag Dienste außerhalb des König­reichs geleistet hat, wünschen wir, daß er sich gegen jenes Urteil des Parle­ments rechtlicher Schritte versehen könne …«

(Musik beginnt: Georges Brassens »Les copains d’abord« – »Die Freunde zuerst«)

E:
Das tut Beaumarchais und einen Monat später wird das Urteil von 1774 förmlich aufgehoben. Beaumarchais ist nun wieder ein angesehener und reicher Mann.

M:
Zeittafel 2

F:
1776 

E:
Beaumarchais gründet die Gesellschaft Roderigue, Hortalez und Co, die sich zum Schein mit Tuchhandel befaßt, in Wahrheit aber Waffen an die amerikanischen Insurgenten liefert.

M:
5. Januar 1777

E:
Geburt der Tochter Eugénie. Ihre Mutter wird er zehn Jahre später heira­ten, oft betrügen und nie verlassen. 

M:
3. Juli 1777

E:
Beaumarchais gründet das Bureau dramatique, eine Gesellschaft zum Schutz der Urheberrechte von Bühnenschriftstellern, die bis heute exi­stiert.

C:
Freitag, den 22. August 1777, zwei Uhr 45, Beaumarchais an eine Ge­liebte:

B:
»… Ich ergebe mich … Wenn Du mich nicht mehr liebst, umso schlim­mer für uns beide … Die Freundschaft ist der Kommerz des Geistes, der Kommerz des Körpers ist die Liebe, und was man die Gefühle des Her­zens nennt, ist eine Mischung aus beidem … Die einzige große Frage ist also, ob wir vögeln, weil wir uns lieben, oder ob wir uns lieben, weil wir vögeln … Guten Tag, mein Herz, und verzeih mir die Freiheit …«

A:
»In der geheimsten Kammer seines Herzens verehrte Beaumarchais zwei Götter, Pluto, den Gott des Geldes, und den Gartengott, Phallus, diesen vor allem und bis zu seinem letzten Tag.«

E:
Sainte-Beuve, Causeries du Lundi

M:
1780

E:
Beaumarchais gründet die Societé philosophique, typographique et littéraire. Ihr Ziel: Die Herausgabe der ersten Voltaire-Gesamtausgabe. Sechs Jahre wird das Unterfangen in Anspruch nehmen.

A:
»Beaumarchais erwarb drei Papierfabriken in den Vogesen. Er kaufte für teures Geld die wunderbaren Typen der Druckerei Baskerville. Nach­dem er sein ungeheures Vermögen eingesetzt hatte, mußte er … erfahren, daß die Geistlichkeit und der Gerichtshof seine Ausgabe verbieten wür­den … er erhielt vom Markgrafen von Baden die Erlaubnis, seine Drucke­rei … in … Kehl einzurichten … Unglücklicherweise hatte der Korrek­tor … in Orthographie und Grammatik die Ideen eines rasenden Autodidakten … Beaumarchais verlor eine Million Livres …«

F:
Jean Orieux, Das Leben des Voltaire

M:
1785

E:
Beaumarchais vorübergehend im Gefängnis St. Lazare. Der König hatte sich – ein Jahr nach der Premiere – über die Hochzeit des Figaro geärgert. 

M:
1787 

E:
Wieder Skandal und große europäische Presse um Beaumarchais, der sich in öffentlichen Streitschriften für die junge und reiche Madame Korn­mann einsetzt. Deren Mann, ein Bankier, wollte sie wegen angeb­lichen Ehebruchs mit einem Geschäftsfreund ins Gefängnis bringen. Der moralisierende Bankier setzt Himmel und Hölle und vor allem Advoka­ten in Bewegung. Prozesse über Prozesse. Später erweist sich der Banker als einer der übelsten Heuchler der Strafrechtsgeschichte: Er selbst hatte seine Frau, die ihm auf die Nerven ging, mit dem angeblichen Ehebre­cher verkuppelt. Beaumarchais verarbeitete die Affäre zum dritten Teil der Figaro-Trilogie: La mére coupable – Die schuldige Mutter.

M:
14. Juli 1789

E:
Beim Sturm auf die Bastille trampelt das Volk durch den Garten des ge­mäßigten Republikaners Beaumarchais. Er trägt es mit Fassung.

F:
1794

E:
Beaumarchais flieht vor dem Terror und wird enteignet, seine Frau, seine Tochter und seine Schwester werden zum Tode verurteilt.

F:
1795 

E:
Beaumarchais, der in der Nähe von Lübeck wohnt und nicht einmal Geld für Brennholz hat, bittet den amerikanischen Kongreß um Bezah­lung der zwanzig Jahre zuvor gelieferten Waffen. Keine Antwort.

M:
Juli 1796

E:
Rückkehr nach Paris. Begnadigung seiner Familie, Rückerstattung ei­nes Teils seines Vermögens. Kauf einer Hündin. Er nennt sie »Follette«, die »kleine Verrückte«.

M:
Figaros Rache – Nachspiel auf dem Theater.

E:
»Überlassen Sie mir die Sorgfalt einer ausgesuchten Rache!« so heißt es in Goethes Clavigo. Auch dieser Satz stammt von Beaumarchais. Und seine Rache war wirklich subtil und von langanhaltender Wirkung. Sie fand im Theater statt. Außer dem 1776 uraufgeführten Barbier von Sevilla und der Hochzeit des Figaro schrieb er eine ganze Reihe weiterer Dramen, Lieder, eine Revolutionsoper, jede Menge Streitschriften und unendlich viele Briefe. Man fragt sich, wann er schrieb und wo bei all dem Kommerz. Wahrscheinlich hätte man ihn nicht so oft einsperren dürfen. Statt sich im Gefängnis totzuärgern, machte er die Dummheit seiner Verfolger unsterblich. Alle seine Theaterstücke handeln von Lieben­den und den Gefahren, denen ihre Freiheit durch Sittenheuchelei und ungerechtes Recht ausgesetzt ist. Diese Benutzung eines alten Komö­dienmusters und die Verlagerung des Geschehens nach Spanien gab sei­nem Spott jene Mischung aus Triumph, Ironie und spielerischer Revolte, die Mozart und Rossini in Musik übersetzt haben. Wann immer und wo immer der »Barbier« oder die »Hochzeit« auf dem Spielplan stehen, steht auch die Anmaßung aufgeblasener Herren auf der Bühne, ferner das Grundrecht des Schwächeren auf das Vergnügen der Intrige und – nicht zu vergessen – natürlich der stotternde Richter aus dem dritten Akt von Figaros Hochzeit, der im richtigen Leben Goezman hieß und in Beaumar­chais’ Theaterstück den pompösen Namen Don Gusman Brid’Oison trägt.

F:
Figaros Hochzeit, Dritter Akt, Aus der Zwölften und Dreizehnten Szene

(Im folgenden wird der Richter von A mit leichtem Sprachfehler wie vorher gespro­chen, Figaro von B und Marceline von F. Die Szene stelle ich mir als sehr burlesk inszeniert vor, mit Tempo, vielleicht auch mit Konservenlachern, so wie die englischen comedy-radio-shows in den Fünfziger Jahren)    

A:
Die Form, meine Herren, die Form!

B:
Aber gewiß, mein Herr. Den Parteien geht es zwar um die Sache, aber die Form ist die Sache des Gerichts.

A:
Der Kerl ist gar nicht so dumm wie ich dachte. Also mein Freund, wenn Du Dich so gut auskennst, dann heraus mit der Sprache, worum gehts?

B:
Mein Herr, ich habe volles Vertrauen in Ihre Gerechtigkeit, obwohl Sie ja zur Justiz gehören.

A:
Jawohl ich bin von der Justiz, allerhand, jaja. Aber wenn Du zahlen mußt und zahlst aber nicht …

B:
Wenn ich tatsächlich nicht zahle, also wenn ich nicht zahlen kann, dann ist es doch fast wie wenn ich nicht zahlen muß!

A:
Zweifellos … Impossibilium nulla obligatio … Eh … wie bitte? Was sag ich da?

F:
Hören Sie mich an, mein Herr!

A:
Nun gut, sprechen wir verbaliter! 

F:
Das Papier, was Sie in den Händen haben, ist ein Heiratsversprechen, verbunden mit einem Darlehen.

A:
Ich verstehe, etcetera, etcetera undsoweiter.

F:
Kein etcetera.

A:
Ich verstehe, Sie haben das Geld gekriegt!

F:
Nein, ich hab es verliehen. 

A:
Ich verstehe, Sie stipulieren das Geld.

F:
Nein, Monsieur, er soll mich heiraten.

A:
Ich verstehe immer besser, er will Sie heiraten … 

F:
Will er nicht, deshalb führe ich doch den Prozeß! 

A:
Wollen Sie etwa sagen, ich verstehe den Prozeß nicht?

F:
Keineswegs, Monsieur. (zu sich selbst): Wo sind wir eigentlich hier? (zum Richter): Sind Sie hier der Richter?

A:
Natürlich! Was glauben Sie wohl, warum ich den Posten gekauft habe!

F:
Es ist ein großes Unrecht, daß solche Posten verkauft werden.

A:
Stimmt genau! Man hätte ihn mir umsonst geben sollen. Gegen wen kla­gen Sie eigentlich?

F:
Finale. Auf Wiedersehen, mein lieber Freund.

C:
Tout le monde croit qu’il est difficile de mourrir. Je le crois comme les autres. Cependant je vois que quand on est lá chacun s’en tire

M (über dem französischen Text):
Jeder glaubt, daß es schwer ist zu sterben. Ich glaube es auch. Und doch sehe ich: Wenn man dran ist, dann hat es noch jeder geschafft.

E:
17. Mai 1799. Sechsundzwanzigster Floréal im Jahre 7 der einen und unteilbaren französischen Republik. Napoleon in Ägypten. Goethe in Weimar ißt mit Schiller zu Abend. Beaumarchais in Paris beim Brettspiel. Gegen zehn Uhr umarmt der alt, rund und taub gewordene Bürger seine Frau und zieht sich zurück.

B:
Schon seit einigen Tagen war ich nicht recht wohl, und gestern … in der Oper … nahm das Uebel zu …

E:
Figaros Rache besteht darin, daß er sich die gute Laune nicht verder­ben läßt. Das kann nur, sagen wir es schlicht, wer ein gutes Herz hat, eine be­rührbare Seele. Als sein Peiniger, der Richter Goezman, später in Ar­mut fiel, schenkte Beaumarchais ihm eine Menge Geld. Aber das kann Pose sein. Beaumarchais war, bei allen Eskapaden, ein Familienmensch. Seine Theaterstücke enden immer mit einer Versöhnung en famille. Aber das ist Theater, wird man vielleicht sagen. Prüfen wir sein Herz! Als Beaumarchais im Fort l’Éveque saß, der Verzweiflung so nahe wie selten in seinem Leben, bekam er ein Päckchen und einen Brief.

(Musik: Figaros Hochzeit, Letzte Szene (Finale), ab Takt 335 setzt während des folgenden Kinderbriefes ein und wird nach und nach deutlicher und lauter)

M:
Brief des 6-jährigen Konstantin de l’Étioles an Beaumarchais

K:
»Neuilly, 2. März 1773
Monsieur,
ich schicke Ihnen meine Sparbüchse, denn es ist ein großes Malheur, in einem Gefängnis zu sein. Ich bin sehr ärgerlich, daß Sie im Gefängnis sind. Jeden Morgen und jeden Abend bete ich ein Ave Maria für Sie. Ich habe die Ehre, Monsieur, Ihr sehr ergebener und sehr gehorsamer Diener zu sein.
Konstantin«

B:
»Aus dem Fort l’Éveque, 4. März 1773
Konstantin, mein kleiner Freund,
mit großem Dank habe ich Deinen Brief und die Sparbüchse bekom­men. Ich habe alles gerecht aufgeteilt zwischen meinen gefangenen Mitbrü­dern und mir. Den besten Teil habe ich für mich behalten, näm­lich die Ave Marias, die ich sehr nötig habe … Obwohl Du also nur einem helfen wolltest, sind Dir ganz viele Leute dankbar. Das ist oft so, wenn man etwas Gutes tut …
Guten Tag, mein kleiner Freund.
Beaumarchais.«

E:
Nach seinem Tod in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 1799 fand man bei Beaumarchais einen Brief, den sein greiser Vater ihm geschrie­ben hatte.

(Musik: Figaros Hochzeit, Finale, zu Beginn des folgenden Textes – vielleicht in der 4. Zeile – ist sie bei Takt 420 »Contessa Perdono!«)

A:
»… Du empfiehlst mir, Dich ein wenig zu lieben. Das ist unmöglich, mein lieber Freund. Ein Sohn wie Du ist nicht dazu gemacht, nur ein bißchen geliebt zu werden, von einem Vater, der denkt und fühlt wie ich. Die zärtlichen Tränen, die von meinen Wimpern auf dieses Blatt Papier tropfen, sind der Beweis. Die Eigenschaften Deines kostbaren Herzens, die Kraft und die Größe Deiner Seele durchdringen mich mit der zärtlich­sten Liebe. Ehre meiner grauen Haare, mein Sohn, mein lieber, lieber Sohn, ich danke meinem Gott für die Gnade, die sich in meinem lieben Sohn erfüllt … Auf Wiedersehen, mein Freund, liebster meinen Augen und meinem Herzen,
Dein Vater.« 

B (der Text könntel etwa in der Mitte des vorherigen leise beginnen und dann lauter werden):
»Wie bizarr das alles ist! Wieso ist mir das passiert? Wieso ausgerech­net das und nicht etwas anderes? Wer hat diese Blitze auf mein Haupt gelenkt? Ich werde den Weg weitergehen müssen, den ich betrat, ohne es zu wissen. Und ich werde ihn verlassen, ohne es zu wollen. Aber ich best­reue ihn mit so viel Blumen, wie meine Fröhlichkeit erlaubt. Meine Fröhlich­keit, sage ich, und weiß nicht einmal, ob sie mir mehr gehört als der ganze Rest. Und dieses ICH, mit dem ich mich dauernd abgebe, was ist das überhaupt? Eine chaotische Versammlung undurchsichtiger Ele­mente am Anfang, dann ein jämmerliches dummes Wesen, ein ausgelas­senes, wild herum-tobendes kleines Tier; ein junger Mann, der darauf brennt, sich zu vergnügen, lebenswütig, verrückt nach Genuß, in jedem Sattel gerecht, um zu leben; mal Herr und mal Knecht, wie es das Schick­sal verlangt. Ehrgeizig aus Eitelkeit, fleißig aus Notwendigkeit, aber faul … mit Lust und Wonne! In der Gefahr: ein Redner! Zur Entspannung: Ein Dichter. Bei Gelegenheit: Musikant. Und verliebt. Immer verliebt. Bis zum Wahnsinn verliebt. … Und nun? Alles habe ich gesehen, alles gemacht, alles ausgekostet. Was nun? Die Illusionen sind verschwunden. Das Stück ist zu Ende. Wie schade. Ich bin getäuscht. Susanna! Susanna! Susanna! Warum quälst Du mich so? Warum? … Ich höre Schritte … Da kommt jemand … Das ist die endgültige Entscheidung …«

Die Musik soll bei den letzten Worten B.s auf Takt 448 sein. Absage über dem Schluß des Finales (etwa 50 Sekunden).

Ende

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