Essays und Vorträge

Wulf Kirsten zum 80. Geburtstag

Gehalten am 21. Juni 2014


Christoph Schmitz-Scholemann

 

 

Lieber Wulf Kirsten, liebe Sofia Kirsten, verehrte Frau Ministerpräsi­dentin, geehrter Herr Oberbürgermeister, geachtete Stadträte und Landtags­abgeordnete, geschätzter Herr Präsident Seemann, liebe Familie Kirsten einschließlich der tapfer hier ausharrenden Enkel, werte Damen und Herren Abgeordnete und Ratsmitglieder, hochansehnliche Festver­sammlung, Freundinnen und Freunde der Dichtkunst von nah und fern,

ich freue ich mich sehr über die Gelegenheit, an diesem würdigen Ort und in Gegenwart so zahlreicher, bedeutender und anlassgemäß mildge­stimmter Häupter der Kulturwelt meinen persönlichen Preisgesang auf das nun achtzigjährige Geburtstagskind anstimmen zu dürfen. Ich tue das mit Vergnügen und aus vollem Herzen. Sicherheitshalber habe ich aber ein Manuskript mitgebracht, damit mir der Mund nicht zu sehr übergeht. Meine Rede hat zehn Kapitel. Aber Sie müssen nicht erschrecken. Es wird nicht langweilig. Denn jedes Kapitel ist einem Aspekt im Werk oder im Leben von Wulf Kirsten gewidmet, und zwar so, dass sich alle Ab­schnitte hoffentlich zu einem Ganzen runden. Also nicht wie zehn Paragra­phen sollen die Teile sein, sondern ungefähr so wie die Frucht­kam­mern einer Orange.

Das erste Kapitel heißt »Klipphausen«

geboren zu Klipphausen, zwei morgen wind
hinterm haus …

so beginnt das berühmte Gedicht Erdlebenbilder von Wulf Kirs­ten. Geboren in einem Dorf am Sommeranfang vor 80 Jahren auf der »Erde bei Meißen«. Und die Erde ist, jedenfalls bei Meißen, wirklich schön, besonders, wenn der Himmel »glänzt wie gloriaseide«. Wulf Kirs­ten hat mich, der ich als nordrheinwestfälischer Großstädter aufwuchs und als fast lebenslanger Bürohäftling nicht an viel gute Natur gewöhnt bin, einmal im Juni über die Erde bei Meißen geführt. Ich erinnere mich an duftende Erdbeerfelder, ich erinnere mich an eine Mühle im Tal und daran, dass in dieser Gegend sogar der Bach, vermutlich wegen seiner erfrischenden Anmut, weiblichen Geschlechts ist, und dass uns die süßes­ten Kirschen in den Mund gewachsen wären, wenn wir uns nur getraut hätten den Kopf nach hinten zu biegen. Das war an einem sonnigen Samstag­nachmittag in der Nähe von Klipphausen, es könnte in Klein­schön­berg gewesen sein, ich erinnere mich nicht genau, aber das ist nicht schlimm, denn eigentlich war es im Paradies. Es ist schon wahr, was Wulf Kirsten schreibt: »prunkvoll getäfelte wohnungen / sind zu beziehen / unter freiem himmel.«

Also geboren 1934 – das war, nebenbei bemerkt, das Jahr, in dem die Nazis den deutschen Eintopfsonntag einführten. Einen Dorfjungen haben wir uns vorzustellen, goldene Löffel waren ihm nicht in die Wiege gelegt, »armer karsthänse nachfahr« nennt er sich, es würde zu arbeiten sein, das war absehbar. In dem Gedicht Woherwohin heißt es:

ich schnauf, ich rühr im schlamm, ich kaue sauerampfer,
ich sitz verdreckt auf einem rodestock im wald
und leb getrost im stande der geflickten hosen.

Es muss glückliche Augenblicke gegeben haben, wie uns das Gedicht Kindheit lehrt:

hinter dem dorf
saß ich, eines bauern hütejunge,
auf herbstnem graskleid
im geruch der umwaldeten wiesen.
ich war der Kuhfürst
sancta simplicitas
im brombeerverhau.
umgetan hatte sich
alles geschmeide
farbentrunkener oktober.
rauchdurchzüngelt im gelände
war alles laubwerk
von blakenden kräutichtfeuern.
querfeldein
über der dorfmark ornament
schweiften wir,
ich ohne hirtengesang
und die malmende herde
ich und meine herde,
eine passion des herbstes.

Wulf Kirsten hat sich der unberühmten ländlichen Schönheit der Erde bei Meißen dichterisch angenommen. Und wie! »die hafergelben flan­ken / seines gelobten lands / seine rauhe, rissige erde« hat er, wie es in eiem anderen Gedicht heißt, »ins wort« genommen. Dabei hat er eine Sprache und einen Ton gefunden, die weit entfernt sind von dekorativer Verklärung des Lands, seiner Leute, seiner Ochsen und seiner Hornoch­sen – seine Lyrik ist frei von »bukolischer lügenpost«. Es ist eine immer neu überraschende Landschaft aus Sätzen und aus Wörtern, von denen man viele vergeblich in Wörterbüchern sucht – versuchen Sie ja nicht, ein Gedicht von Wulf Kirsten durch ein Spracherkennungsprogramm oder gar eine Übersetzungsmaschine zu jagen – Ihr Computer würde Stein und Bein spucken. Es ist eine Sprache jenseits gemütvoller Sinnerwartun­gen, eine Sprache jenseits eingeübter Wendungen – eine unruhig drän­gende Sprache, manchmal meint man, die physischen und die metaphysi­schen Dinge selbst rebellieren und poltern zu hören gegen die durch Lo­gik, Grammatik und Konvention gesetzten Grenzen sprachlichen Aus­drucks. Wulf Kirstens Gedichte sind ein Wider­standsnest gegen die internati­onale Diktatur der Plastikwörter, wie Uwe Pörksen sie genannt hat.

Das zweite Kapitel heißt Die Ackerwalze und Abschied vom Lande

Wulf Kirsten lässt uns kein Wort lang vergessen, dass wir Erdmenschen sind, dass unsere Sprache Teil der Landschaft und die Landschaft Teil des Menschen ist – und manchmal spricht auch die Erde selbst, wie in dem nun folgenden Gedicht. Es erzählt von einem ländlichen Ehepaar, das den Boden mit einer Stele walzt und dabei den auf der Stele stehen­den Grabspruch in die Erde prägt:

DIE ACKERWALZE
meiner Eltern gedenkend

mein vater, perfekter steinmetz
und nebenher landmann, mit sinn
fürs praktische, sah in einer gestürzten grabsäule,
aus dem block gehauen
und poliert für die ewigkeit,
eine ackerwalze über das feld rollen,
erdklumpen zerdrücken, das saatbeet bereiten.
wenn sich zwei vorspannen,
in die kopfseile stemmen,
ersetzt der sparsame starrsinn
das zugvieh im joch.
jahr um jahr zogen die walze
steinzeitlich
am eisengestänge über eigenen grund
und reformierten boden
bergunter, bergauf,
vater und mutter, ohne zu murren und aufzustecken,
immer mit letzter kraft in den sielen,
längs der starren deichsel
zum gespann getreulich vereint,
walzten sie mit jeder umdrehung
des rollierenden grabsteins
in altmodischer schnörkelschrift,
zur spirale gedreht, in den lehm:
geliebt, beweint und unvergessen.

Wir verabschieden uns nun vom Dorf und verlassen die engere sächsische Welt um Klipphausen, obwohl es da noch allerhand zu sagen gäbe, nicht nur über die bei Klipphausen gelegene Kleinstadt Wilsdruff. Wulf Kirsten hat ihr – und damit zugleich allen Kleinstädten, die um gute Bahnan­schlüsse kämpfen müssen – in der Erzählung »Kleewunsch« ein liebevoll-ironisches Portrait gewidmet. Wir springen ins Jahr 1965. Wulf Kirsten ist 31 Jahre alt, hat seine kaufmännische Lehre und einige Berufserfahrung hinter sich, er hat die Arbeiter- und Bauernfakultät in Leipzig besucht, Deutsch und Russisch studiert und kurze Zeit als Lehrer gearbeitet. Militär­dienst hat er nicht geleistet. Auf Nachfrage sagte er mir, es habe sich bei ihm wohl um so eine Mischung aus Schwejk und Felix Krull gehan­delt, er habe bei Musterungen immer zu hohen Blutdruck bekom­men – wie ich gehört habe, soll er dann zum Versehrtensport abkomman­diert worden sein und – welch süße Bestrafung! – junge Studentinnen im Zivilschutz unterweisen müssen. Ob das nun so oder so ähnlich war – mit 31 jedenfalls ist Wulf Kirsten auf Stellungssuche, schreibt Gedichte und treibt, dem hohen Blutdruck zum Hohn, einen anstrengenden Sport. Er ist nämlich als Kletterer unterwegs, in der Sächsischen Schweiz, wo die Gipfel so schöne Namen haben wie Querkopf Lenin und Höllenhund­scheibe. Klettern ist der Kraftsport der Intelligenz, die Kraft darf nicht irgendwo am Körper als peinlicher Muskelhügel sitzen – nach dem bekann­ten Motto: 1000 Volt im Arm, aber oben brennt kein Licht –, sondern sie muss als gleichsam dezentrale bewegliche Energie raffiniert verteilt sein, bis in Hand und Fuß, in die Fingerkuppen und die Zehen reichen und nicht nur Wucht sondern zugleich Schnellkraft und Zähigkeit sein. Klettern ist auch der Sport altruistischer Einzelgänger – einer muss das Seil halten. Und Klettern ist Angstbekämpfung – denn die Angst ist beim Bergsteigen immer mit unterwegs, als seelischer Zustand und ganz körperlich in Gestalt der sogenannten »Nähmaschine« als ein plötzlich auftretendes unkon­trol­liertes Muskelzittern, das von Freunden des Rock ’n’ Roll auch »Elvis« genannt wird. All dies und die 150jährige sächsiche Tradition kleinteilig organisierter, widerstandsfähiger Bergsteiger-Klubs – wir lesen von einer trotzkistischen Kletterergruppe im Dritten Reich – klingt in Wulf Kirstens Gedicht Bergsteiger von 1971 an, aus dem ich hier nur wenige Zeilen zitiere:

hochsteigen, wo kein weg ist.
sich einfach hochziehn am bergleib
mit den fingerkuppen
… an senkrechter felswand halt suchen,
fuß fassen auf den schultern des baumanns,
am nackten stein kleben,

höhe gewinnen an der hangeltraverse,
im kamin hochlaufen auf händen und füßen,
die schultern in die scharte gestemmt
… über des teufels nadelkissen springen,
auf die Höllenhundscheibe,
dem satan auf den kopf …
fällt einer ins seil,
werden die fäuste des andern nicht aufgehn. …

Das dritte Kapitel: »Los angeles muertos – Die toten Engel«

Das Wort Engel kommt von griechisch angelos, lateinisch angelus, der Engel, und angela, die Engelin. Auf Deutsch heißt angelos Bote und nicht nur in der christlichen Religion ist der Engel ein Botschafter Gottes, der auf die Erde kommt, zum Beispiel nach Deutschland, und dort, wie zum Beispiel in dem bekannten Wim-Wenders-Film, Kontakt mit Künstlern aufnimmt. In neuerer Theologie ist der Engel die Personifizierung der Botschaft, also ein Bild, mit dem gesagt werden soll, dass Gott mit den Menschen spricht, ein Übersetzer der Sprache des Himmels in Men­schen­worte.

Was aber hat Wulf Kirsten mit all dem zu schaffen? Nun, Wulf Kirs­ten ist nicht nur selbst Objekt der Wissenschaft, der germanistischen vor allem im In- und Ausland, Wulf Kirsten ist »poeta doctus«, ein gelehrter Dichter, und es gibt ziemlich wenig im Bereich der Poesie, mit dem man ihn überraschen kann. Wer seine oft wie naturbelassen klingenden Ge­dichte ein zweites und drittes Mal liest, erkennt den Künstler und sein Handwerkszeug, Asyndeton – Anapher – Hyperbaton – Anadiplose – alles, was das Herz des Deutschlehrers höher schlagen lässt, ist hier am Werk, um Worte aufzuladen, Steigerung zu erreichen, Leben zu erzeugen – allerdings nicht einfach so, sondern zu einem Zweck, den der griechi­sche Grammatiker Longinos im 1. Jahrhundert u. Z. so beschrieb: mit allen diesen Mitteln »wollen die besten Schriftsteller … das Wirken der Natur nachahmen: Dann nämlich ist Kunst am Ziel, wenn sie als Natur erscheint; die Natur wieder ist vollendet, wenn sie die Kunst unmerkbar einschließt.«

Das Fundament dazu hat sich Wulf Kirsten als Student in der deut­schen Bücherei zu Leipzig geschaffen, wo er jede freie Minute verbrachte und las. »Ich hatte (dort) ein Mauseloch gefunden«, schreibt er, »aus dem ich aus der DDR herauszublicken vermochte ins Weltläufige, so dass sich die öffentlichen, auch ideologisch grenzbefestigten Maßstäbe verwinzig­ten.«

Sein Blick ging in deutschsprachige Literatur aus Ost und West, er blieb dort aber nicht stehen, sondern wanderte in die Welt, z. B. zu Walt Whitman’s »Leaves of Grass«, zu Charles Baudelaires »Blumen des Bö­sen«, zu Arthur Rimbaud’s »trunkenem Schiff« und zu den spanischen Dichtern des 20. Jahrhunderts. Hier stieß er auf Rafael Alberti, der von 1902 bis 1999 lebte und Ende der 20er Jahre ein Gedicht schrieb mit dem Titel »Los angeles muertos«. Wulf Kirsten bezeichnet das Gedicht als eines der Gipfel-Gedichte, das ihm immer wieder Kraft und Mut gegeben habe, sich zu einer vielleicht unerreichbaren Gestaltungshöhe aufzuschwin­gen, um »weiterzuschreiben auf den eigenen Ton hin, auf einen Individualstil«.

Hier Wulf Kirstens deutsche Nachdichtung:

DIE TOTEN ENGEL

Sucht sie, sucht sie doch:
in der Schlaflosigkeit vergessener Röhrfahrten,
in Abzugsgräben, verschüttet vom Schweigen des Kehrichts,
in der Nähe von brandigen Tümpeln, die keine Wolke mehr spiegeln
nie mehr ein Paar verlorene Augen,
weder einen zerbrochenen Ring
noch einen zersplitterten Stern.

Ich hab sie gesehn,
auf wilden Schutthalden, plötzlich aus Nebelfeldern getaucht.
Ich hab sie berührt
in der Öde, wo ein toter Ziegel lag,
den ein Karren verlor, eingegangen ins Nichts.
Nie sind sie fern, wenn ein Schornstein stürzt,
wenn glitschige Blätter sich an die Schuhsohlen heften.
Dort sind sie, überall,
noch in jenen verdorbenen Spänen, die kein Feuer mehr frißt,
in der Verschollenheit gebrechlicher Stühle,
unweit der Kritzel und Krakel, eingefroren auf grindigen Mauern.

Sucht sie, sucht sie doch:
unter dem Wachstropfen im Buch, der ein Wort begrub
oder den Schriftzug auf einem Brieffetzen,
den der Wind durch den Staub schleift,
nah einer Flaschenscherbe, im Unrat verkommen,
einer abgetretenen Schuhsohle, verirrt im Schnee,
einem Rasiermesser, verlorengegangen am Rand eines Abgrunds.

Der amerikanische Philosoph und Mathematiker Charles Sanders Peirce sagt: »Jedes wahre Gedicht ist ein vernünftiges Argument.« Ich habe mich ge­fragt, wofür dieses Gedicht von den toten Engeln ein Argument ist, dieses Gedicht, das Wulf Kirsten sehr tief durchdacht haben muss, als er es übersetzte. Ich glaube, es hat etwas mit dem Grund zu tun, aus dem überhaupt Gedichte geschrieben werden. Dieser Grund kann sich ja nicht da­rin erschöpfen, uns mitzuteilen, dass es Scherben, Schuhsohlen, Schutthal­den, Schnee und Schornsteine gibt. Die Arbeit der Dichtkunst scheint in Übersetzung und Verwandlung zu bestehen, in der unbegreifli­chen Verwandlung der Dinge und Worte in Gegenstände der fluiden Welt des Denkens, Fühlens und Glaubens – zur Flamme wird der Staub, sagt Rilke, und so denke ich, dass jedes wahre Gedicht von einem Engel begleitet ist. Und es könnte sein, dass wir durch Rafael Albertis Gedicht aufgefordert sind, in allen Dingen und unter allen Umständen, auch am Rande des Abgrunds, nach dem Engel zu suchen, der sie begleitet, nach der Wahrheit, deren Ausdruck sie sind, weil das Universum mit allen Einzeldingen – jetzt zitiere ich erneut Charles Sanders Peirce – »ein gro­ßes Symbol für Gottes Absicht ist«.

Die Überschrift meines vierten Kapitels habe ich wieder einem Ge­dicht von Wulf Kirsten entnommen. Sie heißt: Lob der Datenverarbei­tung.

Das vierte Kapitel: Lob der Datenverarbeitung

1965 kam Wulf Kirsten nach Weimar. »In Weimar beginnt eigentlich mein Leben« hat er einmal gesagt. Er hatte eine Bewerbung an den Auf­bau-Verlag geschickt, das empfindet er noch heute als mutig, wenn nicht gar verwegen, aber er hatte Erfolg. Wulf Kirsten war Teil einer jungen Truppe, zu der auch Joachim Golz und Konrad Paul gehörten, die beide heute hier sind. In dem Band Gegenbilder des Zeitgeists von 2009 sind Erinnerungen aus dem Lektorenleben nachzulesen. Zu diesem Leben gehörte beiläufig die Datenverarbeitung.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass unser Leben heute zu einem gu­ten Teil nicht von Menschen, sondern von Maschinen gesteuert wird, von de­nen man noch nicht weiß, ob sie dümmer oder klüger als Menschen sind. Jedenfalls bin ich mir sicher, dass es eine bedeutende und stetig wach­sende Anzahl von Texten gibt, die weder von einem Menschen geschrie­ben noch gar gelesen wurden. Die interessante Frage ist, ob die in die­sen Texten engelsgleich dahindämmernden Sinngehalte überhaupt existieren. Bevor wir aber beim Nachgrübeln darüber auf das seit dem Altertum umstrittene Problem der von menschlicher Wahrnehmung unab­hängigen Existenz von Ideen kommen, wenden wir uns einem besonde­ren Gedicht von Wulf Kirsten zu, dem Lob der Datenverarbeitung. Er schrieb es in einer Zeit, als die Automatisie­rung von Arbeitsprozessen noch Kybernetik hieß und mit Lochkarten arbeitete, Anfang der 70er Jahre. Die unvermeidlichen Verar­mungen und Sinnverluste, auch die unfreiwillig komischen Sinnver­schiebungen, die bei der Umwandlung der Wirklichkeit in binäre Maschinen­sprache auftreten, sind hier zu einem kostbaren und etwas halsbrecherischen Poem verdichtet worden.

LOB DER DATENVERARBEITUNG

das alphabet verwalten
männlich oder weiblich in zwei spalten
entweder od
bekannt ist nur der hierarchische code
das lochfeld vollkommen ausfüllen
sich dann in schweigen hüllen
ein unter-, ober-, aber-, über-, vor- und hinterloch
ist immer noch der beste koch.
ein a gelocht
ein ei gekocht
ein c gestrichen
die schulden elektronisch beglichen
gestürzt gedreht gepocht
gerüttelt geschüttelt
gerupft gestopft geklopft
mal ausgelocht mal eingelocht
und eingefärbt und angeschwärzt
schließ aus schließ ein beherzt
die kybernetische maus
sieht aus ihrem loch heraus
die nullen immer mit verlochen
wie von der tarantel gestochen
in steter sorge um
rückt an, kreuzt auf und an
und ab und zu ganz still und stumm
gleich mann für mann
die achte revision
vom neunten bataillon
jeder sportlehrer hat eine nummer
numerierte figuren haben keinen kummer
der code ist verschlüsselt
der schlüssel vermasselt
schlamassel
alphabet, du assel

Auf Befragen sagte mir Wulf Kirsten, bei diesem Gedicht handele es sich um die leicht überarbeitete Mitschrift aus einem Datenverarbeitungskurs, den er in den Anfangsjahren seiner Lektorenzeit zu absolvieren hatte.

Das fünfte Kapitel: »Die Weigerung, die Realität zur Kenntnis zu nehmen, ist seit der Antike jeder Staatsform zum Verhängnis geworden.«

Dies ist ein Zitat von Wulf Kirsten aus dem Nachwort zu einem der von Christoph Victor herausgegebenen Bücher über 1989/1990, die ich mit fieberndem Herzen gelesen habe. Sie geben beredte Auskunft auch über den Anteil, den Wulf Kirsten und viele der hier im Saale Anwesenden am Oktoberfrühling hatten. Ich für mein Teil habe die entscheidenden Tage in einem Waldhaus in der Eifel verbracht, mit den weltgeschichtlichen Geschehnissen verbunden lediglich durch den nebelverhangenen Bild­schirm eines altersschwach blökenden Schwarz-Weiß-Fernsehers. Ich weiß, dass ich mörderische Angst hatte, es könne geschossen werden, ich weiß, dass ich die Menschen, die ich im Fernsehen demonstrieren und die Wahrheit sagen, singen und rufen sah, für ihren bestürzenden Mut etwa so bewunderte, wie ich zwanzig Jahre vorher Martin Luther King bewun­dert hatte. Das war vielleicht ein Echo des Gefühls, das Wulf Kirsten als »säkulares Erhobensein« beschrieben hat. Was die Lehren daraus betrifft, zitiere ich hier gern noch einige Sätze aus Wulf Kirstens Nachwort zur 2009 erschienenen Zweiten Auflage des Oktoberfrühlings:

»Ich habe nicht bereut und werde dies auch nicht tun, wenigstens das Scherflein der Witwe zur Abschaffung eines Systems beigetragen zu ha­ben, das am Ende an einem unentwirrbaren Lügenfilz erstarrt und schließ­lich erstickt ist. Zu dieser Wahrheitsfindung … gehört für mich sprachkritisches Denken und entsprechender Umgang mit Sprache. Wie oft spreizen sich, um etwas zu bemänteln, wenn nicht gar zu vertuschen, Schönredner und Schönfärber mit neuen rasch verschleißenden Phrasen und Euphemismen. … Phrasendrescher schaffen kein Vertrauen … dies gilt für alle, die mit Sprache umgehen, sekundäre Analphabeten nicht ausgenommen. Ich für mein Teil verteidige die Sprache als Grundlage menschlichen Zusammenlebens. Natürlich weiß ich sehr wohl, daß Wort-Denken-Handeln-Tat eine Einheit bilden müssen. Nur in dieser Verbin­dung ist Wahrheit zu haben. …«

Mit dem sechsten Kapitel erreichen wir die Gegenwart.

Wulf Kirstens Weg hätte, wenn er das gewollt hätte, in den 90er Jahren in hohe Ämter führen können. Er wollte aber nicht, was für die hohen Äm­ter schlecht war, aber gut für andere, z. B. sehr gut für die Literarische Gesellschaft Thüringen e. V. Wulf Kirsten ist ihr Mitglied Nr. 001. Er hat die Gesellschaft 1991 mit gegründet und war lange Jahre ihr Vorsitzender und Vorstand. Auch mir als einem seiner Nachfolger im Amt hat er unend­lich viele Stunden geschenkt, in denen wir Projekte entworfen, bera­ten und auf den Weg gebracht haben. Ohne Wulf Kirsten gäbe es keinen Thüringer Literaturpreis, kein Harald-Gerlach-Stipen­dium und keine Edition Muschelkalk. Um Autoren, vor allem die jungen, kümmert er sich bis heute. Manchen, die hier im Saal sind, hat er die Liebe ange­tan, ihre Texte nicht nur zu lesen, sondern auch mit ihnen zu besprechen, zu verbessern, daran zu feilen – kurz mit ihnen zu arbeiten. Ich denke, es ist ein großes Glück, in einem so zarten und zugleich widerständigen Hand­werk wie dem der Lyrik einen Meister zu finden, der Lehrlinge annimmt, und zwar in jedem Sinn des Wortes. Und nicht nur für die Jungen bist Du, lieber Wulf, mit Deiner Genauigkeit in den Sachen der Kunst, mit der Zurückweisung aller Geschwätzigkeit, mit dem unbedingten Einstehen für die Poesie und die eigenen Texte ein Vorbild, dem wir unseren Dank, unsere Bewunderung und unsere äu­ßerst bewegte Zuneigung schenken.

Bis heute ist sich Wulf Kirsten übrigens nie zu schade, die Mühen der Ebene auf sich zu nehmen. Dafür geht er auch, wie man es von Stoß-stür­mern im Fußball verlangt, die Wege, die weh tun. Einmal hat er – ich glaube zusammen mit Gisela Kraft, Martin Straub und Wolfgang Haak – einen leibhaftigen, um nicht zu sagen einen äußerst leibhaftigen Kultus­minis­ter zur Förderung literarischer Anliegen kurzerhand zum Essen in ein edles Weimarer Restaurant eingeladen, was bei dem bekann­ten Appetit des Ministers sicher nicht ganz billig war. Aber auch seine physische Schmerzgrenze spielt für Wulf keine Rolle, wenn es darum geht, Gefahren nicht nur nicht auszuweichen, sondern ihnen mit Vehe­menz entgegenzutreten. Ich erinnere mich noch gut, wie ich ihn vor eini­gen Jahren auf der Hegelstraße traf. Er war gerade dabei, Einladungen für eine Lesung der Literarischen Gesellschaft in Briefkästen zu werfen. Während wir auf dem Bürgersteig in der Sonne standen und irgendetwas besprachen, näherte sich ein junger Mann auf einem Fahrrad, dessen Bremsen justament in diesem Augenblick versagten, was dazu führte, dass er Wulf schlichtweg umfuhr. Wer nun geglaubt hätte, dass der gestürzte Wulf sich durch diese hinterhältige Attacke hätte einschüchtern lassen, staunte nicht schlecht. Wulf schnellte nämlich mit einer bewundernswer­ten Spannkraft vom Boden in die Höhe und rief dem vielleicht zwanzigjähri­gen Studenten die denkwürdigen Worte zu: »Betrachten Sie sich als geohrfeigt, Sie Flegel!« Das geschah mit solcher Verve, dass der Student, der sich auf seinem Rad so gerade noch hatte halten können, schleunigst das Weite suchte. Man kann das dem Studenten nicht verar­gen, denn zu den vielen Begabungen des Wulf Kirsten gehört mit Sicher­heit die des spontanen, eruptiven und treffenden Fluchens. Den Ausdruck für Erfurt, den ich aus seinem Munde vernahm, habe ich für heute vorsichts­halber vergessen, und auch den Namen eines berühmten Men­schen, den er kürzlich als Niestüte und Prolet-Okkultisten bezeichnete, weil er ihn im Verdacht hatte, sich seine stammtischlerischen Meinungen im Wesentlichen durch Lektüre von Horoskopen zu bilden. Kehren wir aber zurück zu dem Studenten, der, das sei zur Ehre des jungen Mannes gesagt, fünf Minuten nach dem Unfall mit einer Tüte Kräutertee und einer rührenden Entschuldigung zurückkam und anschließend mit Wulf zusammen zu den nächsten Briefkästen wanderte, in friedliches Gespräch vertieft.

Ich bin noch nicht ganz fertig. Denn es warten noch vier kurze Kapi­tel, in denen es geht um Liebe, um Querköpfe, um Wanne-Eickel und den Kulturbahnhof Weimar.

Kapitel Sieben: Liebe

Liebesgedichte sind ein heikles Genre. Denn die geläufige Erwartung geht doch eher in die Richtung »nobelpreisverdächtige Hand­tuchsprüche«, wie Wulf Kirsten sagt, oder es korrespondiert allzusehr mit der hier pars pro toto genannten Internetplattform herzklopfen-online.de und ähnli­chen Publikationen. Dergleichen ist von Wulf Kisten nicht zu haben. Und doch gibt es da ein Gedicht, das ich als Liebesgedicht identifiziert habe. Das Wort der Worte fällt nicht, aber das Gedicht spricht so klar und einfach und so nah an der Grenze des redlicherweise Aussprechbaren, dass es mir die Sprache verschlagen hat.

Das Gedicht beschreibt, wenn ich es recht verstehe, nicht mehr als die Erinnerung an eine Nuance, einen Zwischenton, eine Schattierung des Fühlens. Das Wort Wir fällt, es ist Nacht, der Mond scheint, aber das Wort Liebe fällt nicht, obwohl von nichts anderem die Rede ist. Es geht um jenen geheimnisvollen Augenblick verschwiegenen Einvernehmens zweier Herzen, der manchmal Anfang eines Glücks wird, manchmal äußer­lich folgenlos vorübergeht und auf ewig eine Erinnerung bleibt, für die es nie einen Beweis geben wird, eine Erinnerung, die als ein geheimnis­voll schöner Schmerz Bestand hat.

MINZOWER ELEGIE

auf nebelbänken ruhte die nacht.
wir gingen durch koppeln,
atmeten grasduft.
das knirren der rinder rief uns nach.
undurchdringlich die leeren felder.
der weg zum see erzählte geschichten,
die ich vergaß.
wir schwiegen in die gespiegelte stille,
der es den atem verschlug. –
die erinnerungen leben getrennt.
nichts wiederholt sich:
der grasgeruch jener nacht,
die regungslosigkeit der leeren felder,
die strömung des mondrauchs über dem see,
gesichter, vergraben im laub.

 

Achtes Kapitel: Querköpfe

Als ich 2001 von Köln nach Weimar kam, hatte ich das unschätzbare Glück, schon recht bald Wulf Kirsten kennen zu lernen. Wir sprachen über Köln und irgendwie kam ich auf einen adeligen kölner Mitbürger zu sprechen, einen gelernten Soloviolinisten. Er hatte dem Konzertbetrieb Ade gesagt, lebte in einer keineswegs drogenfreien und auch an Frauen und Kindern reichen Kommune, sah aus wie ein Räuberhauptmann, stellte sich mehrmals wöchentlich in die Fußgängerzone, packte seine Geige aus, begann zu fiedeln wie ein junger Gott, und sang oder vielmehr brüllte die wildesten antikapitalistischen Lieder, die man sich denken kann, was zu regelmäßigen Verhaftungen führte. Ich kannte ihn als Nach­barn aus familiären Auftritten am Nikolausabend, wo er den garsti­gen Knecht Ruprecht gab. Wie sich zu meiner großen Verblüffung heraus­stellte, war dieser rauhe Geselle auch Wulf Kirsten bestens be­kannt, er war interessanterweise so ziemlich der einzige gemeinsame Be­kannte, den wir in Köln hatten. Wulf hatte ihn in den 80er Jahren in Köln auf der Straße singen und geigen gesehen, war bei späterer Gelegen­heit auf seine Texte gestoßen und kannte sogar seinen Geburts­ort, nämlich Dippoldiswalde in Sachsen. Vor zwei Jahren gelang es uns, ein Gesprächskonzert mit Wulf Kirsten und Klaus Christian von Wro­chem alias Klaus dem Geiger in Weimar zustande zu bringen und es war ein Abend der fröhlichsten Anarchie.

Warum erzähle ich das? Es geht nicht nur um das anarchische Bro­deln, das vielen Gedichten und übrigens auch Essays von Wulf Kirsten die unverkennbare Würze gibt. Es geht auch nicht nur um sein lexikali­sches Namensgedächtnis. Es geht um seine Vorliebe für das Nichtkanoni­sche, die sich auch aus der schon erwähnten Anthologie ablesen lässt. Und wie viele Gedichte hat Wulf Kirsten der Schilderung nichtkanoni­scher Künstler, ja überhaupt nichtkanonischer Menschen gewidmet! »Auf der unerbittlichen Suche nach Wahrheit, nach dem Absoluten, nach mehr Tiefenschärfe … wird der Schriftsteller zum Randläufer und Außensei­ter der Gesellschaft. Aus dieser Distanz sieht er schärfer, ge­nauer, schreibt Wulf Kirsten und: »Will ein Gedicht dem Leser etwas mitteilen über das hinaus, was er ohnehin schon weiß, muß es den Mut zu ei­ner Pionierleistung aufbringen. So wie Kunst vom Mut zur Erstbege­hung, zur Erstsetzung, zur Erstbenennung lebt. … Zu diesem transformieren­den Kraftakt … gehört … der individualistische Mut zur Identitätsfindung, selbst zu sein und dieses Selbsterkennen in eine uner­hörte Mitteilung zu verwandeln.«

Kapitel Neun: Auf Reisen

Als die literarische Gesellschaft vor einigen Jahren begann, Gedichte thürin­ger Autoren auf Plakaten an Litfaßsäulen zu präsentieren, baten wir auch Wulf Kirsten um ein Gedicht. Das war ein Problem. Denn das Format ließ nur sehr kurze Gedichte zu und Wulf Kirsten schreibt selten kurze Gedichte. Ich glaube, das hat seinen Grund darin, dass seine Ge­dichte aus ihrer wuchtigen Dynamik leben. Sie steigern sich auf eine Schluss­zeile hin. Steigerung ist Bewegung und braucht Platz. Die Bewe­gung kommt auch durch die Verben ins Gedicht, manchmal auch dadurch, dass sich das lyrische Ich selbst bewegt, oft auf einer Wanderung oder im bewegten Gespräch, manchmal mit der Eisenbahn beim unfreiwilligen Anhören der Verkündungen auftrumpfender Ge­schäfts­leute, selten im Auto, denn Wulf Kirsten hat, soweit ich weiß, keinen Führerschein, immer neugierig auf Ortsnamen, unterwegs durch das Saaletal, wo wir Nietzsche begegnen, nach Kuks, an den Comer See, in die Provence, oder durch das Ruhrgebiet, dessen Landschaft selten so liebevoll und gnädig beschrieben wurde wie in dem Gedicht Getrübter Himmel von 1990, wo wir den, ich zitiere, »bizarrsten minutengebil­den aus qualm … schönen rauchzöpfen … schlieren … schlei­ern … wattezotten« begegnen, »… rechts Wanne-Eickel, links Wanne-Eickel.«

Da ist es schon vorbeigezogen, das neunte Kapitel, und da Wulf Kirs­tens Reisen seit fast fünfzig Jahren immer hier enden, endet auch mein Preisgesang hier, nämlich, mit meinem zehnten Kapitel, in Weimar. Aber wo und was genau ist Weimar? Die Stadt mit dem Berg über der Stadt, sagen einige, andere: die Stadt in der Nähe von Hottelstedt und Zot­telstedt, wieder andere: ein schön sanierter Schwebezustand zwischen Hier und Gestern unweit Scherkonde, Pfiffelbach und Ilm. Ach, es gibt viel zu viele richtige Antworten.

In einem weltberühmten amerikanischen Online-Lexikon finden sich folgende Aussagen: »Weimars geographische Koordinaten sind 29° 42′  Nord, 96° 47′  West … Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle in Weimar. Daneben finden sich fleisch- und blechverarbeitende Betriebe und ein Hersteller von Dichtungen.«

Wir fragen uns unwillkürlich, wer mit dem Hersteller von Dichtungen gemeint ist: Das muss doch Wulf Kirsten sein! Aber nein, Sie haben es längst erraten, das Online-Lexikon spricht gar nicht von Dichtung im Sinne von Poesie, sondern von technischen Vorrichtungen. Und über­haupt handelt der ganze Lexikon-Eintrag nicht von Weimar/Thüringen, sondern von Weimar/Texas, wie der Kundige an den geographischen Koordinaten bemerkt hat.

Wir sollten uns davon indes nicht ablenken lassen. Eine Stadt ist mehr als ihre geographischen Koordinaten, sie ist auch mehr als das, was Architek­ten verzapfen. Eine Stadt ist auch ein Ort des Geistes, im besten Fall gebauter Geist, Stein gewordene Idee, durchweht vom unendlichen, kontroversen Menschengespräch: talk of the town. Und ob sie als solche interessant und bedeutsam ist, hängt davon ab, ob sie ein gewisses intellektu­elles Reizklima hat. Das können nur Bürger schaffen, die ihrer Stadt Bestes suchen – mit Herz und Verstand und nicht immer zur kurzfristi­gen Freude des Bürgermeisters. Wer es gut mit der Stadt meint, der wünscht sich, dass Wulf Kirsten nicht aufhört, Vorschläge zu machen für Ehrenbürgerschaften, Straßenumbenennungen, Hausverkäufe und immer in sehr unmissverständlichen Worten. Auch wenns manchmal wehtut, lieber Oberbürgermeister, liebe Stadt- und Landräte, das müsst Ihr aushalten können: Du sollst, heißt es im 5. Buch Mose, dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden. Ehrt ihn! Die Stadt hat seinem kla­ren Wort mehr zu verdanken als manchem verklärten Hallelujah. Die Wahrheit, die heute für uns zählt, ist nur eine: Weimar ist die Stadt, in der Wulf Kirsten lebt und immer ein offenes menschliches Wort spricht. Und das merkt man ihr zum Glück auch an.

Wehmütig
bin ich an Weimar
vorbeigefahren,
lieber Wulf,
kurzer Halt nur
am »Kulturbahnhof«,
wie auf der Leipziger
Buchmesse nach
deinen Lesungen.

so drückt es Dein alter Weggefährte Arnfrid Astel aus. Und es sind viele Weggefährten hier, Freunde aus alten und jungen Tagen, aus allen Himmels­richtungen sind sie gekommen, sogar aus Erfurt und Paris, Amtsträ­ger und Bartträger, ehrbare Verleger und verlegene Verehrer, Präsidentinnen und Dichterinnen, Musikerinnen und Bildhauer, Professo­ren und Übersetzer, Kinder und Enkel – was soll ich noch sagen? Du hast sie Dir alle redlich eingebrockt, mit Gedanken, Worten und Werken, lieber Wulf, Du mit Deiner Begabung, nach Wahrhaftigkeit zu graben, nach den Engeln zu suchen in den Zeiten der Datenverarbeitung, Du mit Deiner Frau Sofia und mit Euer beider allerfreundlichsten Bega­bung, nämlich der, Freunde und Helfer zu sein, und zwar nicht nur dann, wenn der Himmel glänzt wie Gloriaseide.

Ich zitiere aus dem Gedicht Woherwohin die letzten Zeilen:

ich, redefigur aus erdreich,
verstreu eine handvoll worte …
ich, meine freunde, wir gehn, wir reden
immer ein menschliches wort.

Danke Ihnen allen für Ihre Geduld, und Dir lieber Wulf:

Herzlichen Glück­wunsch zum Geburtstag!

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