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Ithaka. Ein Gedicht von Konstantinos Kavafis (15.01.26)

 

In Erinnerung an Dr. Wulf Gravenhorst

Im Sommer 2026 soll die Odyssee des Homer wieder einmal als Spielfilm in die Kinos kommen. Ein großer Regisseur in Gestalt von Christopher Nolan und bedeutende Schauspieler wie Matt Damon, Tom Holland und Anne Hathaway werden für Umsatz sorgen. Es wird interessant sein zu sehen, wie Nolan den schon so oft literarisch, theatralisch und auch cineastisch bearbeiteten, über zweieinhalbtausend Jahre alten sagenhaften Stoff für unsere Zeit deutet und inszeniert. Der Film ist  allerdings nicht die einzige Neubearbeitung des homerischen Epos: Schon am 18. März dieses Jahres kommt die presigekrönte Dichterin und Literatur-Professorin Ulrike Draesner nach Weimar-Taubach und stellt ihre innovative und feministische Fortschreibung der mit viel Männlichkeit aufgeladenen Odyssee vor.

Eine ganz andere Perspektive bestimmt das Gedicht „Ithaka“ des griechischen Dichters Konstantin Kavafis (1863–1933). Er nimmt Homers Odyssee als eine Metapher für die Lebensreise des Menschen. Die Reise des Odysseus aus dem Krieg in Troja nach Hause ist beschwerlich, lang und voller schöner und grausiger Abenteuer und Umwege. Der Held begeht Fehler um Fehler, erotische Ausschweifungen und brutale Exzesse inbegriffen. Er ist ein – in heutigen Begriffen gesprochen – schwer traumatisierter Kriegsheimkehrer. Als er in Ithaka, seiner kleinen, unbedeutenden Heimatinsel im Ionischen Meer ankommt, ist er froh, kann aber seine grausame Seite nicht verbergen.

Das Gedicht „Ithaka“ liest sich leicht und man kann vor allem aus dem Schluss viele Schlüsse ziehen.

Konstantinos Kavafis: Ithaka

Wenn Du nach Ithaka fährst
Bete zu den Göttern, dass es eine lange Reise wird,
Dass sie Dir viele Abenteuer schenkt
Und dass Du eine Menge lernst.
Die Laistrygonen und die Kyklopen
Und den Zorn des Poseidon brauchst Du
nicht zu fürchten, wenn Dein Denken unterwegs
Hochherzig und ehrenvoll bleibt und wenn Dein Körper
Und Dein Geist tief entspannt und ruhig sind.
Den Ungeheuern und  grässlichen Riesen
Und dem randalierenden Meeresgott wirst Du nicht begegnen
Wenn Du ihnen keinen Platz in Deiner Seele gibst
Und wenn Deine Seele sie Dir nicht in den Weg stellt.

Bete darum, dass es eine lange Reise wird.
Bete, dass Du unzählige Sommermorgen erlebst,
An denen Du vor Glück und Freude überläufst,
während Du in nie zuvor gesehene Häfen einfährst.
Besuche die phönizischen Märkte kauf Dir schöne
Sachen, Smaragde und Korallen, Bernstein,
Schwarzes Ebenholz und duftende Gewürze.
Kauf Dir soviele betörende Düfte wie Du kannst,
Besuche die vielen ägyptischen Städte
Lerne und lerne von den Weisen.

Denke immer an Ithaka.
Dein Ziel ist es, dort anzukommen.
Aber beeile Dich nicht.
Besser, es dauert ein paar Jahre mehr
Und Du kommst als alter Mann auf die Insel,
Reich von all dem, was Du auf dem Weg gewonnen hast
Die Reichtümer auf Ithaka nicht mitgerechnet.

Ithaka hat Dir eine glänzenden Reise gegeben.
Ohne Ithaka wärst Du nicht aufgebrochen.
Ithaka ist Dir nichts mehr schuldig.

Du findest Ithaka ärmlich?
Aber die Insel hat Dich nicht betrogen.
Du bist weise geworden und
Du hast soviel Erfahrung gewonnen auf den Reisen.
Du wirst auch gelernt haben,
Was Ithaka eigentlich bedeutet.

Κωνσταντίνος Καβάφης:

Ιθάκη´

Σα βγεις στον πηγαιμό για την Ιθάκη,
να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος,
γεμάτος περιπέτειες, γεμάτος γνώσεις.
Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,
τον θυμωμένο Ποσειδώνα μη φοβάσαι,
τέτοια στον δρόμο σου ποτέ σου δεν θα βρεις,
αν μέν’ η σκέψις σου υψηλή, αν εκλεκτή
συγκίνησις το πνεύμα και το σώμα σου αγγίζει.

Τους Λαιστρυγόνας και τους Κύκλωπας,
τον άγριο Ποσειδώνα δεν θα συναντήσεις,
αν δεν τους κουβανείς μες στην ψυχή σου,
αν η ψυχή σου δεν τους στήνει εμπρός σου.

Να εύχεσαι νάναι μακρύς ο δρόμος.
Πολλά τα καλοκαιρινά πρωιά να είναι
που με τι ευχαρίστησι, με τι χαρά
θα μπαίνεις σε λιμένας πρωτοειδωμένους·
να σταματήσεις σ’ εμπορεία Φοινικικά,
και τες καλές πραγμάτειες ν’ αποκτήσεις,
σεντέφια και κοράλλια, κεχριμπάρια κ’ έβενους,
και ηδονικά μυρωδικά κάθε λογής,
όσο μπορείς πιο άφθονα ηδονικά μυρωδικά·
σε πόλεις Aιγυπτιακές πολλές να πας,
να μάθεις και να μάθεις απ’ τους σπουδασμένους.

Πάντα στον νου σου νάχεις την Ιθάκη.
Το φθάσιμον εκεί είν’ ο προορισμός σου.
Aλλά μη βιάζεις το ταξείδι διόλου.
Καλλίτερα χρόνια πολλά να διαρκέσει·
και γέρος πια ν’ αράξεις στο νησί,
πλούσιος με όσα κέρδισες στον δρόμο,
μη προσδοκώντας πλούτη να σε δώσει η Ιθάκη.

Η Ιθάκη σ’ έδωσε τ’ ωραίο ταξείδι.
Χωρίς αυτήν δεν θάβγαινες στον δρόμο.
Άλλα δεν έχει να σε δώσει πια.
Κι αν πτωχική την βρεις, η Ιθάκη δεν σε γέλασε.
Έτσι σοφός που έγινες, με τόση πείρα,
ήδη θα το κατάλαβες η Ιθάκες τι σημαίνουν.

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