Antonio Machado – Zum 150. Geburtstag. Viele Wege gewandert (01.09.25)
Antonio Machado war ein spanischer Dichter. Er kam 1875 in Sevilla zur Welt. Nach dem Abitur studierte er, kam aber einstweilen nicht zu einem ordentlichen Abschluss. Er hatte so gut wie nie Geld, verbrachte seine Tage in der Nationalbibliothek, ging abends ins Cafe, traf sich im Freundeskreis, „tertulia“ heißt so ein lockerer Zirkel im Spanischen, da plauderte und politisierte und philosophierte er mit seinen Brüdern und Freunden, rauchte und schrieb und rauchte und schrieb, vor allem Gedichte. Er lebte einige Zeit in Paris, hörte Vorlesungen bei Henri Bergson und lernte Paul Verlaine kennen. Der Dichter und Nobelpreisträger Juan Ramon Jiménez gehörte zeitweise zu Machados „tertulia“ und schrieb über seinen Freund :
„Antonio trug einen uralten Mantel, der jegliche Farbe verloren hatte und an dem nur noch eine der beiden Knopfreihen ein oder zwei Knöpfe aufwies, die meistens auch noch verkehrtrum zusammengeknöpft waren, darunter trug er eine Hose, die mit einer Kordel zusammengebunden war…Wenn man mit Antonio gegangen war, konnte man immer genau erkennen, welchen Weg man genommen hatte, weil er Spuren hinterließ, wo er ging und stand, Brotkrümel, Tabakskrümel und Asche und abgekautes Papier, er kaute ständig Papier… Manchmal sagte er, er werde jetzt ein Gedicht vorlesen. Dann holte er aus der Tasche einen schmutzigen Zettel, der mehrfach gefaltet war, fieselte ihn auseinander und dann hatte der Zettel in der Mitte ein Loch, gerade da, wo das Gedicht stand, und das Loch hatte er selbst gemacht, weil Antonio aus Versehen auch an diesem Papier gekaut hatte und so hatte er sein Gedicht aufgegesesen und konnte es nicht vorlesen. ….“
Als die Faschisten zur Macht drängten, schlug sich Antonio Machado auf die Seite der Linken. Anfang 1939 floh er mit seiner Mutter und einem seiner Brüder vor den Faschisten nach Collioure in Frankreich. Dort starb er wenige Tage nach seiner Ankunft und einige Tage, bevor seine Mutter verstarb. Viele seiner Gedichte wurden vertont und werden in Spanien bis heute gesungen. Eines der berümtesten ist das nachfolgend in Übersetzung und Original wiedergegebene Gedicht „He andado muchos caminos….“
Viele Wege bin ich gewandert
Viele Wege bin ich gewandert,
viele Pfade hab ich gefunden;
auf hundert Meeren bin ich gesegelt,
an hundert Küsten bin ich gelandet.
Überall sah ich
Karawanen der Trauer,
Hochmütige und Schwermütige,
die Trunkenen vom schwarzen Schatten,
Und vermummte Pedanten,
die umherspähen, schweigen und denken,
sie kennen die Welt, weil sie den Wein
der Tavernen nicht trinken.
Ein übles Volk das wandert
und die Erde verpestet…
Und überall sah ich
Leute die tanzen und spielen,
wenn sie können, und bearbeiten
die Handbreit Erde, die ihnen gehört.
Niemals, wenn sie an einen Ort kommen,
fragen sie, wohin sind wir gekommen.
Wenn sie fortziehen, reiten sie
auf dem Rücken eines alten Esels.
Sie kennen keine Eile,
schon gar nicht an Feiertagen.
Wo es Wein gibt, trinken sie Wein;
wo nicht, frisches Wasser.
Es sind gute Leute, sie leben,
arbeiten, ziehen fort und träumen,
und an einem Tag, der wie viele andere ist,
gehen sie sich ausruhen unter der Erde.
He andado muchos caminos
He andado muchos caminos
he abierto muchas veredas;
he navegado en cien mares
y atracado en cien riberas.
En todas partes he visto
caravanas de tristeza,
soberbios y melancólicos
borrachos de sombra negra.
Y pedantones al paño
que miran, callan y piensan
que saben, porque no beben
el vino de las tabernas.
Mala gente que camina
y va apestando la tierra…
Y en todas partes he visto
gentes que danzan o juegan,
cuando pueden, y laboran
sus cuatro palmos de tierra.
Nunca si llegan a un sitio
preguntan a donde llegan.
Cuando caminan, cabalgan
a lomos de mula vieja.
Y no conocen la prisa
ni aún en los días de fiesta
donde hay vino, beben vino;
donde no hay vino, agua fresca.
Son buenas gentes que viven,
laboran, pasan y sueñan,
y un día como tantos,
descansan bajo la tierra.
Näheres zu Leben und Werk von Antonio Machado auf dieser Webseite unter „Antonio Machado – Notizen zu seinem Leben und einige Gedichte mit deutscher Übersetzung“