Jean Moreas: Stances
Sag nicht: „Das Leben ist Spielen und Feiern und Prassen.“
So redet die niedere Seele und der alberne Geist.
Vor allem sag niemals, daß Leben nur endloses Unglück heißt.
So reden Feiglinge, wenn sie sich gehen lassen.
Lach wie die jungen Zweige im Frühling: Erzitter,
Heul wie der Nordwind, zerfließ wie Wasser am Ufersa [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
bis morgen!
was mir an meinen gedichten gefällt:
dass ich sie gern schreibe
es ist als ob man einen tisch deckt
oder obst auf einem holzbrett ordnet
oder eine art gedankenfotografie
je weniger gedanken vorhanden sind
umso intimer das bild
tote natur stilleben
eine pflaume ein apfel ein buch
vielleicht noch ein ausdrucksvolles gerippe
von einem [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
herr stock und das arbeitsrecht
herr stock
der so viel selbstbewußtsein hat
daß er sich eines tages etwas leistet
er wird eine kugel
wie ein tennisball aber natürlich in schwarz
herr stock hat stil
mit sehr gepflegtem schwarzen pelz
und läßt sich aus diesem kurzgeschorenen pelz
aus dieser rundlichen schönheit
die er geworden ist
einige bl [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
erlebnis
in der kantine saß einer mit am tisch den ich nicht kenne
einer der niemanden grüßte
vielleicht habe ich ihn vorher oder nachher im zug gesehen
oder blätternd hinter einer zeitung
oder ich habe ihn da vermutet
was mir auffiel war daß er nicht lächelte
üblicherweise lächelt man er aber nicht
ich glaube er hat sein essen nicht beza [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
das schöne und das aufgerauhte
beides braucht man
das schöne und das aufgerauhte
und das schöne
muß man jenem unsichtbaren schronk entnehmen
in dem sich die wohrheiten verschanzt hoben
und meckern
wie die jungen ziegen oder schofe
das schöne ist die farbe
welche die wohrheit annimmt
wenn sie ans licht kommt
vielleicht die klongforbe
das [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
Mathurin Régnier:
Grabspruch
Ich lebte ohne jemals nachzudenken
Ich ließ mich gehen, ließ mich lenken,
Wie die Natur in ihrer Freundlichkeit gebot.
Nun bin ich stark erstaunt: warum der Tod
Mit mir vertraulich tut, als wäre ich sein Traum.
Wir kannten uns doch kaum! [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte