pater manfred
er kam oft zu uns
dünn und mit einem langen bart
hohlwangig und aufdringlich mit seinen tischgebeten
und meine eltern
hatten nie die kraft ihn wegzuschicken
er saß in unserer küche in düsseldorf und
stand im ruf der heiligkeit
später mussten wir düsseldorf verlassen
die familie wurde zersprengt
bis ins sauerland flogen die fet [...]
von GatoMonoDesign | 12.10.2017 | Gedichte
Die Papierzeitung – Notizen für einen Nachruf
Meistens war sie jung.
Sie zitterte in Deinen Händen, wenn Du nervös warst,
sie färbte Deine Fingerkuppen, wenn Du sie glattstrichst,
sie sah Dich an und raschelte, ohne zu verraten warum.
Sie hatte ihre Geheimnisse, war aber treu im Großen und Ganzen.
Sie kam jeden Morgen, außer wenn der Bote Sch [...]
von GatoMonoDesign | 12.10.2017 | Gedichte
wo ist der apotheker
der apotheker ist nachdenklich geworden,
man sieht ihn kaum noch,
sein hund zum beispiel ist schon tot, das hat er nicht verdient,
seine frau schreibt ein buch, das kann ja heiter werden, dachten wir alle,
er selbst hat das rauchen, schnapstrinken und das nächtliche singen
aufgegeben,
seine spaziergänge werden von ta [...]
von GatoMonoDesign | 12.10.2017 | Gedichte
ojos negros
wir blieben dann doch länger sitzen als wir gedacht hatten
es geschah nicht aus sympathie glaube ich
mehr weil es regnete
es gab keinen grund zu reden
aber auch keinen aufzuhören
es ging über geldfragen moralische probleme des bergbaus
und internationale beziehungen
alles mögliche das niemand beeinflussen kann
weshalb man so leicht d [...]
von GatoMonoDesign | 12.10.2017 | Gedichte
Mein Jackett
Mein Jackett ist breit in den Schultern,
schwere englische Wolle, du riechst
die Schafe, aufgesetzte Taschen,
einreihig geknöpft, es ist Platz darin
wie in einer Altbauwohnung,
die Odyssee geht zweisprachig rein,
dazu noch ein Apfel, ein Notizbuch
und Tabak.
Mein Jackett ist immer hungrig,
es frisst Feuerzeuge und Zettel,
Bleisti [...]
von GatoMonoDesign | 12.10.2017 | Gedichte