Clement Marot
Abschied von Anne
Ich muß es wissen, Anne, sagen Sie, wohin und wann
Sie reisen! Und lehren Sie, bevor Sie gehen,
Mich, wie mein Auge vor der schreckensgrauen wehen
Tränenflut aus meinem Herzen sich wappnen kann ...
Ach nein! Sie brauchen nicht zu sprechen, mein Wandelstern!
Sie nehmen dieses alte Herz, ich leih
Es Ihnen, Sie tragen [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
Ovid An Cypassis
(Amores, 2. Buch, 8. Gesang)
Künstlerin! Tausendfältig weißt du die Locke zu legen,
Cypassis, allein göttlichen Haargeflechts,
Voller Süße die Stunden und du voller Raffinessen,
Meiner Frau paßt du gut, besser aber noch mir.
Welcher Spion verriet den kostbaren Bund unsrer Körper?
Wie hat Corinna bemerkt, daß dich ein Mann b [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
Ovid An Corinna
(Amores, 2. Buch, 7. Gesang)
Warum klagst du mich an, was hab ich schon wieder verbrochen?
Auch wenn ich unschuldig bin, quält mich allein schon der Streit.
Wag ich das Auge zu heben und schau im Theater nach oben,
Suchst du dir gleich eine aus, die dir verdächtig erscheint.
Wenn eine schweigsame Schönheit stummen Blickes mich ansc [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
dieser satz
dieser satz den wir immer gesagt haben
war anfangs ein stein
unaussprechlich schwer
es hat jahre gedauert
bis wir die schrift seiner adern lesen konnten
aber als wir seine sprache verstanden
wurden wir leichtsinnig
eines tags nannten wir ihn stier
und er begann zu brummen
eines nachts nannten wir ihn feuer
und er begann zu brennen [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte
Empedokles
Die Arbeit der Liebe (Das Auge)
Die nun eine Laterne rüstet und geht aus dem Haus,
Brennendes Feuer trägt sie hinaus in die Winternacht.
Schirmen will sie das Licht vor dem streunenden Volk der Winde
Und ihren hastenden, hetzenden Atem zerstreuen, wenn sie kann.
Doch die Spitzen der Flammen züngeln und springen ins Dunkel und
Leuchten [...]
von GatoMonoDesign | 08.09.2018 | Gedichte